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Aargau Solothurn Puma verlässt Oensingen: 60 Stellen weg

Der deutsche Sportausrüster Puma verlagert den grössten Teil seines Schweizer Standortes nach Deutschland. 60 Mitarbeiter in Oensingen sind betroffen. Künftig lenkt der Konzern das Schweizer Geschäft aus seiner Firmenzentrale in Bayern. Die Solothurner Wirtschaftsförderung ist enttäuscht.

Köbi Kuhn läuft über einen roten Teppich, dahinter Publikum.
Legende: Strahlende Gesichter im Mai 2006 in Oensingen: Puma eröffnet das Geschäftsgebäude mit Nationaltrainer Köbi Kuhn. Keystone

Künftig werde es in der Schweiz nur noch ein Vertriebsbüro mit zunächst etwa 15 Aussendienst-Mitarbeitenden geben. So die Auskunft von Puma am Hauptsitz Herzogenaurach in Bayern. Das Unternehmen bestätigt damit einen Bericht der «Solothurner Zeitung».

Alle anderen Funktionen in der Schweiz, Deutschland und Österreich würden in der Zentrale in Herzogenaurach gebündelt. Die rund 40 Mitarbeiter in den Schweizer Puma-Stores mitsamt des Outlets in Oensingen seien von der Standortverlegung aber nicht betroffen, heisst es weiter.

Gespräche über Wohnortswechsel

Betroffen sind etwa 60 Mitarbeitende. Mit diesen würden derzeit unter Beteiligung von Arbeitnehmervertretern Gespräche über einen möglichen Arbeits- und Wohnortwechsel geführt. Die Verlegung geschieht bereits per 1. Oktober.

Betroffen sind Funktionen für das globale und europaweite Einzelhandels- und E-Commerce-Geschäft. Diese sind heute in Oensingen angesiedelt und sollen nun in die deutsche Firmenzentrale verlegt werden. Dort würden sie mit den Grosshandels- und Merchandisingfunktionen zusammengeführt, so die Erklärung von Puma. Das Ziel sei, die Entscheidungswege zu verkürzen und die Zusammenarbeit zu verbessern.

Enttäuschung in Solothurn

Der Sitz von Puma in Oensingen ist ein markantes und weit herum sichtbares Gebäude. Stolz war deshalb auch die Solothurner Wirtschaftsförderung, als sich 2005 der internationale Konzern für Oensingen als Standort entschieden hatte. Umso grösser ist nun die Enttäuschung.

«Wir sind enttäuscht, wir haben der Firma damals geholfen bei der Suche nach einem Standort. Und natürlich war es auch gut für das Image als Wirtschaftsstandort, mit dieser berühmten Marke direkt an der Autobahn», erklärt Jonas Motschi vom Solothurner Amt für Wirtschaft und Arbeit auf Anfrage von Radio SRF.

Natürlich ist es schade. Aber das ist Business.
Autor: Jonas MotschiLeiter Amt für Wirtschaft und Arbeit Kanton Solothurn
Puma-Logo an einer Wand
Legende: Der deutsche Sportartikelhersteller ist die Nummer 3 in der Welt: Doch die Geschäfte laufen nicht, man muss sparen. Keystone

Der Kanton prüfe aktuell, ob Puma allenfalls gegen bestehende Verträge verstosse. «Im Rahmen solcher Ansiedlung gibt es natürlich Unterstützung durch den Kanton, in finanzieller und organisatorischer Hinsicht. Im Gegenzug gibt es aber auch Verpflichtungen der Firma. Wir prüfen nun, ob die Firma wirklich alle diese Verpflichtungen einhält, wenn sie nun aus Oensingen wegzieht», sagt Motschi. Allerdings sei eine solche Prüfung aufwändig und deren Ausgang ungewiss.

Die Standortförderung an sich werde sich nach dem «Fall Puma» kaum ändern, stellt Jonas Motschi aber klar. «Der Kanton Solothurn ist bereits bisher sehr zurückhaltend, wenn es zum Beispiel um steuerliche Anreize für Firmen geht.» Der Fall Puma sei enttäuschend, aber «das ist Business.» Immerhin sei die Firma über zehn Jahre lang im Kanton ansässig gewesen. «In dieser Zeit hat Solothurn sicher davon profitiert.»

Puma mit Gewinneinbruch

Puma ist der weltweit drittgrösste Sportartikelhersteller. 2013 schrammte Puma nur knapp an einem Verlust vorbei. Der Nettogewinn schrumpfte um 92 Prozent auf 5,3 Millionen Euro. Der Konzern verordnete sich darauf ein Spar- und Umbauprogramm. Der Umsatz beträgt knapp 3 Milliarden Euro. Haupteigentümer ist der französische Luxusgüterkonzern Kering.

2 Kommentare

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  • Kommentar von Marianne Roe, Gwatt
    Das ist zwar schade, aber vielleicht eine Chance für kleinere Sportgeschäfte und schweizer NewComer. Bis jetzt wurden die Kleinen nur von den Grossen ausgebremst.
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  • Kommentar von Bruno Hochuli, Reinach BL
    Hat man ja kommen sehen. Da werden Firmen zu sehr günstigen Steuertarifen angelockt und wenn die Firmen nicht mehr das bekommen was sie wollen ziehen sie aus. Summa- sumarum, wir haben dafür etliche Arbeitslose mehr. Es wird noch viel schlimmer kommen. Es ist immer heikel Firmen zu günstigen Tarifen anzulocken, denn der Steuerzahler bezahlt letztlich die Zeche wenn es schiefgeht.
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