Radio Argovia kontert Kritik in aktueller Bakom-Studie

Der Bund schaut den Privatradios regelmässig auf die Finger. Zum ersten Mal hat er jetzt aber alle 38 Sender zusammen unter die Lupe genommen. Die Studienverfasser schreiben nun, dass Radio Argovia so stark auf «Bad News» setzt wie kaum ein anderer Sender in der Schweiz. Radio Argovia wehrt sich.

Blick auf das AZ Medienhaus in Aarau, wo Radio Argovia seine Studios hat.

Bildlegende: Die Studios von Radio Argovia in Aarau: Der Sender setzte auf «Politik und Unterhaltung», sagt der Redaktionsleiter. SRF

Grundsätzlich sind Radio Argovia und Radio 32 ganz normale Schweizer Privatradios: Ihr Programm besteht aus viel Musik (Argovia: 60%, R32: 67%) und Informationen (Argovia: 17%, R32: 14%). Damit sind sie Durchschnitt unter den 38 untersuchten kommerziellen Radiosendern, wie die am Donnerstag veröffentlichte Privatradiostudie 2012 zeigt.

Bei der Information unterscheiden sich der Aargauer und der Solothurner Radio-Anbieter allerdings stark. Während bei Radio 32 beinahe die Hälfte aller gesendeten Informationsbeiträge aus Regionalinformationen bestehen, was dem Schweizer Durchschnitt entspricht, sind es bei Radio Argovia lediglich 31 Prozent.

Argovia hat unterdurchschnittlich wenig Regional-Infos

Zudem setzen die beiden Radio-Sender bei der Regional-Information auf sehr unterschiedliche Themen. Radio 32 setzt zu 42 Prozent auf politische Themen, womit es Rang 2 aller 38 Privatradios in der Schweiz erreicht (hinter Radio Chablais). Bei Radio Argovia spielt Politisches mit 21 Prozent hingegen eine untergeordnete Rolle.

Der Aargauer Radiosender setzt lieber auf «Bad News». 32 Prozent aller regionalen Nachrichten drehen sich um Unfälle, Katastrophen und Kriminalia, das ist der zweithöchste Wert aller Schweizer Privatradios (hinter Radio FM1). Bei Radio 32 machen «Bad News» hingegen nur 6% der regionalen Information aus.

Konzessions-Entscheid in den nächsten Wochen

Radio Argovia sendet derzeit nur mit einer Übergangs-Konzession. Gemäss dem Bundesamt für Kommunikation entscheidet sich in den nächsten Wochen, ob der Aargauer Sender die definitive Konzession erhält oder diese an Medienunternehmer Roger Schawinski verliert.

Haben die Resultate der Privatradiostudie nun einen Einfluss auf diesen Konzessions-Entscheid? Auf Anfrage des Regionaljournals von Radio SRF verneint Bakom-Vizedirektorin Nancy Wayland Bigler. Die Studie habe keine unmittelbaren Konsequenzen. Vielmehr wolle man eine öffentliche Diskussion über die Qualität der Medien insgesamt anstossen.

Radio Argovia wehrt sich

Diese Diskussion ist einen Tag nach der Veröffentlichung der Studie in vollem Gange. Radio Argovia wehrt sich nämlich gegen die Interpretation der Studien-Autoren. «Die Studie an sich ist wissenschaftlich korrekt, aber die Rückschlüsse daraus sind falsch», erklärt Redaktionsleiter Jürgen Sahli am Freitag gegenüber Radio SRF. «Wir nehmen unser Programm völlig anders wahr.»

Radio Argovia setze auf politische Information in hoher Qualität, so Sahli weiter. Daneben müsse man aber auch unterhalten, und dazu gehöre nun einmal «Musik und Menschen». Sahli bezweifelt, dass mit den gängigen Messmethoden journalistische Qualität verglichen werden könne. «Fragen Sie 1000 Leute, Sie werden 1000 Meinungen über journalistische Qualität erhalten.»

Sein Sender produziere 20 Stunden Programm pro Tag, nicht nur zu den wichtigsten Sendezeiten. «Das wird durch die Stichproben des Bakom nicht abgedeckt. Ich wünschte mir, dass man einmal ganze 20 Stunden Programm untersucht und vergleicht», so Sahli.

Fricktal vernachlässigt

Die Privatradios konzentrieren sich geografisch auf ihr Kerngebiet, die Randgebiete werden vernachlässigt, wie die Studie zeigt. In unserer Region ist insbesondere das Fricktal ein solcher «blinder Fleck». Diese Region komme im untersuchten Zeitraum allerdings auch im Programm von Radio SRF nicht vor, betonen die Studienverfasser.