Teure Sanierungen Radon: Der Kampf der Gemeinden gegen das tückische Gas

In den letzten Jahren mussten im Kanton Aargau 38 Schulhäuser aufgrund von starker Radon-Belastung saniert werden. Weil der Bund den Grenzwert für eine Sanierung kürzlich noch weiter gesenkt hat, dürfte sich diese Zahl noch deutlich erhöhen: Rund 240 Schulhäuser sind über dem neuen Richtwert.

Keller

Bildlegende: Mit einem solchen Dosimeter werden in Kellern und Wohnräumen die Werte des radioaktiven Gases Radon gemessen. Keystone

Vor zwei Monaten beschloss der Bund, den Grenzwert für das radioaktive Gas Radon in Gebäuden zu senken. Es entstanden strengere Sanierungsmassnahmen. Die neuen Richtlinien betreffen insbesondere Neubauten, Umbauten sowie jene Gebäude, die bei der letzten Messung nahe am Grenzwert lagen.

Ob saniert werden muss, hängt aber nicht alleine von der gemessenen Menge ab, sondern auch davon, wie intensiv die betroffenen Räume genutzt werden. Bei Räumen, in denen sich oft und über längere Zeit Menschen aufhalten, ist eine Radon-Belastung gravierender als bei weniger genutzten Räumen. Somit spielt auch der Faktor Nutzung eine Rolle beim Ermessen, ob eine Sanierung nötig ist.

Lüften allein nützt nicht immer

Es gibt ausserdem diverse Massnahmen, um gegen Radon in Gebäuden vorzugehen. Je nachdem wie schwerwiegend die durch das Gas ausgelöste Belastung ist, wird zu unterschiedlichen Mitteln gegriffen. In leichten Fällen reicht regelmässiges Lüften bereits aus, ansonsten kann man versuchen, die Leckstellen abzudecken.

Bei grosser Belastung, beziehungsweise wenn grosse oder mehrere Räume betroffen sind, müssen jedoch drastischere Massnahmen ergriffen werden. Das bedeutet, es müssen teilweise ganze Lüftungssysteme installiert werden – und das kann teuer werden.

Es kann teuer werden

Esther Frischknecht von der Firma Qualitäts-Sicherung am Bau ist Expertin auf dem Gebiet der Radon-Sanierungen. Sie spricht von grossen Preisdifferenzen je nach Massnahme. Extrembeispiele sind die beiden Aargauer Gemeinden Strengelbach und Olsberg. Während Strengelbach mit 2500 Franken Sanierungskosten gut davon kam, musste Olsberg knapp 500'000 Franken für die Sanierung des Schulhauses bezahlen.

Wegen des gesenkten Grenzwerts dürften in Zukunft nun noch mehr Gemeinden vom Radon-Problem und dessen finanziellen Folgen betroffen sein. Das bestätigt auch das Amt für Chemiesicherheit des Kantons Aargau: Fünfmal soviele Schulen wie beim alten Richtwert lägen über der neuen Grenze. Der Kanton rechnet deshalb in den nächsten vier bis fünf Jahren mit mehr als doppelt so vielen Sanierungen als bisher.

Krebs erregend

Radon ist ein natürliches, radioaktives und unsichtbares Gas, welches im Boden freigesetzt wird und durch undichte Stellen in Häuser eindringt. Unter Umständen kann dort die Radon-Belastung so stark werden, dass das Risiko für Lungenkrebs massiv ansteigt. Um Gesundheitsschäden vorzubeugen, müssen die betroffenen Gebäude saniert werden.