Reformierte Landeskirche Aargau will Zuwanderer anlocken

Immer mehr Schweizer treten aus den Landeskirchen aus. Im Aargau gleicht die römisch-katholische Kirche den Mitgliederschwund durch Zuwanderer aus. Den Reformierten gelingt das nicht. Sie wollen nun mit einem Infobrief evangelisch-lutherische Zuwanderer für sich gewinnen.

Kirchenaustritte verzeichnet auch die katholische Kirche im Aargau. Etwa 3000 Menschen kehren der römisch-katholischen Landeskirche jährlich den Rücken. Das schreibt das Magazin Horizonte Aargau in seiner neusten Ausgabe. Die Austritte werden jedoch gemäss dem Magazin zu rund zwei Dritteln durch die Zuwanderung wieder kompensiert. Ein Effekt, von dem die Reformierten nicht gleich stark profitieren.

Reformiert ist für Deutsche oft ein Fremdwort

Reformierter Gottesdienst mit Pfarrerin auf Kanzel.

Bildlegende: Reformiert, evangelisch, lutherisch? Die Religionszugehörigkeit kann beim Einwandern für Verwirrung sorgen. Keystone

Frank Worbs, Sprecher der reformierten Landeskirche Aargau, führt dies im Gespräch mit Radio SRF hauptsächlich auf die Nationalitäten der Zuwanderer zurück. Tatsächlich finden sich unter den Top 3 der Zuwanderungsnationen in der Schweiz mit Italien und Portugal zwei klar katholisch geprägte Länder. An dritter Stelle liegt jedoch Deutschland, und dort teilen sich die Christen etwa zu gleich grossen Teilen in Katholiken und Anhänger der evangelischen Kirche.

Während die Katholiken automatisch zur richtigen Landeskirche finden, führe die Religionsdefinition bei den evangelisch-lutherischen Zuwanderern immer wieder zu Verwirrung, so Worbs. Wenn sie bei der Anmeldung in der Gemeinde auf der Einwohnerkontrolle nach ihrer Religion gefragt werden, würden viele mit lutherisch antworten. Von reformiert hätten viele noch nie etwas gehört, meint Worbs. Und umgekehrt sei vielen Angestellten von Gemeindekanzleien lutherisch kein Begriff.

Mit einem neuen Infobrief, den die Kirchgemeinden nun an die Einwohnergemeinden verteilen können, will die reformierte Landeskirche Aargau bei diesen Zuwanderern auf sich aufmerksam machen. Es wird festgehalten, dass es in der Schweiz zwar vereinzelt lutherische Kirchen gibt, dass jedoch die passende grosse Landeskirche die Reformierte sei.

So will die Landeskirche nach eigenen Angaben das grosse Potential der lutherischen Zuwanderer nutzen. Mit einem beinahe ausgleichenden Effekt auf die Kirchenaustritte, wie bei der römisch-katholischen Landeskirche, rechnen die Reformierten jedoch nicht.