«Regierungsrat zu sein, ist ein Privileg»

Auf dem Weissenstein haben die drei Neuen in der Solothurner Regierung am Freitag Bilanz gezogen über ihre ersten 100 Tage im Amt. Roland Fürst (CVP), Roland Heim (CVP) und Remo Ankli (FDP) zeigten sich fasziniert von der neuen Aufgabe und betonten: «Wir funktionieren als Team».

Bislang haben sie es noch nicht bereut, Regierungsrat geworden zu sein. Baudirektor Roland Fürst, Bildungsdirektor Remo Ankli, und Finanzdirektor Roland Heim schauten am Freitag äusserst gut gelaunt auf ihre ersten Tage im Solothurner Rathaus zurück. Die Erfahrungen seien bislang sehr positiv, meinte das Regierungs-Trio unisono.

Der Finanzdirektor muss andere arbeiten lassen

Finanzdirektor Roland Heim hat im neuen Amt am meisten überrascht, dass er nicht mehr so viel selber machen kann wie früher als Lehrer: «Man muss delegieren. Man hat Leute, die für einen arbeiten, man muss Vertrauen haben in deren Arbeit».

Heim ist neu der Vorgesetzte von rund 500 Mitarbeitern. Bei seinen Antrittsbesuchen habe er sehr viel Goodwill erfahren, freut sich der Finanzdirektor. Es sei ein Highlight der ersten 100 Tage gewesen, die äusserst motivierten Mitarbeiter kennenzulernen.

Der Bildungsdirektor fährt noch immer über den Berg

Bildungs- und Kulturdirektor Remo Ankli hat die Vielfältigkeit seines Departements überrascht. «Ich dachte einfach, ich sei dann für die Schulen zuständig», lacht er. Mittlerweile hat Ankli gemerkt, dass es ganz viele verschiedene Schulen gibt und etwa auch der Sport zum Departement gehört.

Als Schwarzbube besitzt Remo Ankli in Solothurn ein Zimmer zum Übernachten. Das Zimmer hat Ankli vom letzten Regierungsrat aus dem Schwarzbubenland, Klaus Fischer, übernommen. Meistens fahre er aber trotzdem in 40 Minuten über den Berg nach Hause, meint der ehemalige Gemeindepräsident von Beinwil.

Der Baudirektor schätzt die Kollegialität

Bau- und Justizdirektor Roland Fürst, der ehemalige Direktor der Handelskammer, zeigt sich am wenigsten überrascht von seinen neuen Aufgaben als Departementschef. Er habe sich darauf vorbereitet und zum Beispiel mit allen früheren Regierungsräten gesprochen.

Ebenso wenig überrascht hat Roland Fürst (CVP), dass die drei Neuen in der Regierung tatsächlich so gut miteinander zusammen arbeiten können, wie sie während des Wahlkampfs stets betont hatten. «Die Regierung funktioniert sehr gut als Kollegialbehörde», so Fürst. Bislang sei es in den allermeisten Fällen gelungen, die Entscheide so zu fällen, dass alle in der Regierung dahinter stehen konnten.

Als Regierungsrat Mensch bleiben

«Auch das eigene Leben kommt nicht zu kurz», hat Roland Heim (CVP) in den ersten 100 Tagen als Regierungsrat erfahren. «Die täglichen Spaziergänge mit dem Hund lasse ich mir jedenfalls nicht nehmen», betont Heim. Der Solothurner geht auch manchmal über Mittag mit dem Hund spazieren – und wurde dabei schon kritisch gefragt, ob er als Regierungsrat denn wirklich noch Zeit habe für so etwas.

Auch Bau- und Justizdirektor Roland Fürst muss nicht auf sein Hobby Fotografieren verzichten. Kürzlich präsentierte der Regierungsrat seine Landschafts-Aufnahmen an einer Ausstellung in Olten. Nur für die Aktualisierung der Homepage fehlt Fürst offenbar die Zeit, herrscht doch auf seiner Internetseite nach wie vor Wahlkampf.

Lohnkürzungen als letztes Mittel

Dass das Regieren den drei Neuen im Solothurner Rathaus Spass macht, zeigten sie am Freitag beim lockeren Gespräch mit Journalisten auf dem Weissenstein. Und das, obwohl die nächsten vier Jahre in Solothurn praktisch nur von einem Thema geprägt sein werden: den angeschlagenen Kantons-Finanzen.

Bei den kürzlich vorgestellten Legislaturzielen gibt es denn auch nur ein Ziel mit der höchsten Priorität: «Haushaltgleichgewicht wieder herstellen». Und wenn es nicht klappt mit dem 150-Millionen-Massnahmenplan, den die Regierung vorgelegt hat? «Dann braucht es einen neuen», zeigt sich Remo Ankli (FDP) überzeugt.

Darauf angesprochen, dass es gemäss dem Massnahmenplan keine Lohnkürzungen für das Staatspersonal geben soll, meint Ankli: «Wir sind auf motivierte Mitarbeiter angewiesen». Lohnkürzungen blieben als «gruusige Massnahme» das letzte Mittel, falls es dann noch weitere Sparrunden brauche.