Reithalle Aarau soll Zentrum für modernen Zirkus sein

In Aarau ist man auf der Suche nach einer neuen Nutzung für die alte Reithalle. Die Idee, sie zu einem Tanz- und Theaterhaus umzubauen, ist gescheitert. Man will die Halle jetzt in ihren Dimensionen erhalten und flexibel nutzen. Zeitgenössischer Zirkus soll genau so Platz haben wie klassische Musik.

Manchmal ist es offenbar ganz gut, wenn man ein Projekt «verdiskutiert und verplant». Eigentlich sollte die «Mittlere Bühne» in Aarau schon längst eröffnet sein. Eine Experimentierbühne für Tanz und Theater, die in die ganze Schweiz hätte ausstrahlen sollen.

Unterdessen sind Experten der Ansicht, mit diesem Konzept wäre eine weitere «Gessneralle» (ZH) oder eine «Dampfzentrale» (BE) entstanden. Und diese Häuser haben heute Mühe, genug Publikum zu finden. Im überaus grossen Kulturangebot können sie sich nur schwer profilieren.

Zeitgenössischer Zirkus boomt

Das Publikum sucht heute Anderes, Neues. Zum Beispiel schätzt es spartenübergreifende Produktionen mit Artistik, Tanz, Theater und Poesie. Und damit ist man beim Stichwort «zeitgenössischer Zirkus».

Solche Produktionen können aber nur in grossen Räumen gastieren. Entweder in Zelten oder dann in alten Industrie- oder Reithallen. In der Schweiz sind solche Hallen rar. Aarau mit seiner Reithalle ist die grosse Ausnahme. Der Raum ist 70 Meter lang, 20 Meiter breit und extrem hoch.

Für die «Mittlere Bühne» wäre die Halle unterteilt worden. Man hätte auch permamente Theater- und Bühnentechnik installiert. Die Halle hätte dadurch ihren Charakter verloren. Darum ist Peter-Jakob Kelting, Leiter des Theaters Tuchlaube und Initiant der Sommerbespielung der alten Reithalle, froh, dass das bisherige Projekt vom Tisch ist. Weil die Stadt kein Geld hatte, wurde der Bau nicht realisiert.

«  Wir müssen dafür sorgen, dass die Halle ihren Charakter behält, der sie so einzigartig und faszinierend macht. »

Peter-Jakob Kelting
Leiter Theater Tuchlaube und alte Reithalle

Der Experte und seine schwierige Aufgabe

Konzeptionell steht man in Aarau also wieder am Anfang. Man will die grosse Halle, weiss aber noch überhaupt nicht, wie man sie einrichten muss, damit ein flexibler Ganzjahresbetrieb möglich ist. Was kostet die Infrastruktur, was der Betrieb?

Auf diese Fragen soll Marco Läuchli eine Antwort geben. Der Zürcher Theater- und Kulturexperte hatte ursprünglich den Auftrag, das alte «Oxer»-Projekt zu evaluieren. Unterdessen wurde sein Auftrag erheblich erweitert. Er muss nun ein Papier vorlegen, das Machbarkeits-, Betriebskonzept und Inhaltskonzept in einem ist.

Eine sportliche Aufgabe, für die nur wenig Zeit bleibt. Läuchli muss sein Konzept am 23. Juli der Stadt Aarau abliefern. Danach geht es an den Regierungsrat. Geht es nach den Plänen des Stadtrates von Aarau, liegt dem Stimmvolk im Jahr 2017 eine Botschaft vor für den Umbau der Reithalle. Schon 2019 soll das multifunktionale Kulturhaus eröffnet werden.

Happyend ist nicht garantiert

Es ist ein Projekt mit vielen Schnittstellen und mit Rahmenbedingungen finanzieller und planerischer Art, die sich laufend verändern. Eine schwierige Aufgabe für Marco Läuchli, aber auch für alle Mitbeteiligten.

Es sei eine Aufbruchstimmung zu spüren, hört man aus Aargauer Kulturkreisen und von Politikern. Zu hoffen ist, dass diese Aufbruchstimmung auch über allfällige Krisen trägt und 2019 zur Eröffnung der alten, neuen Reithalle führt.

Die Kosten

Die ersten Berechnungen gingen davon aus, dass der Bau des «Oxers» 20 Millionen Franken kosten würde. Dieser Betrag wurden dann auf 16 Millionen reduziert. Nach den neusten Berechnungen soll es mit 12 Millionen möglich sein, die Reithalle für einen Ganzjahresbetrieb umzubauen. Bei den jährlichen Betriebskosten hört man die Zahl von 1.5 Millionen.