Riniken informiert sich über das Tiefenlager im Bözberg

Rund 100 Personen haben sich in der Gemeinde Riniken über ein mögliches Tiefenlager für Atomabfälle informiert. Begeistert über ein Tiefenlager ist niemand, aber auch nicht fundamental dagegen.

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Riniken AG und das Atomendlager

4:17 min, aus Schweiz aktuell vom 31.3.2015

Die Gemeinde Riniken liegt in einem kleinen Tal, eingeklemmt zwischen dem Bruggerberg und den Ausläufern des Bözbergs. Ein idyllisches Naherholungsgebiet mit rund 1500 Einwohnern. Nach der Gemeinde Bözberg wäre Riniken die von einem Tiefenlager am stärksten betroffene Gemeinde. Unter rund die Hälfte des Dorfes käme das Tiefenlager mit den atomaren Abfällen zu liegen, erklärt der Gemeinde-Ammann Ueli Müller.

Fässer mit Atommüll

Bildlegende: In Riniken wäre man von einem Endlager im Bözberg zwar nicht begeistert, aber auch nicht fundamental dagegen. Keystone

Noch ist aber nichts entschieden. Das Gebiet muss erst weiter untersucht werden. «Wenn aber alle Untersuchungen zeigen, dass in Bezug auf die Sicherheit Riniken der beste Standort für ein Tiefenlager ist, dann würde ich diese Kröte schlucken», sagt der Gemeinde-Ammann, gegenüber SRF.

Die Frage, wo in der Schweiz der sicherste Standort für ein Tiefenlager ist, ist noch nicht geklärt. Seit Dezember sind aber nur noch zwei Standorte im Rennen, welche die Nagra, die Nationale Genossenschaft für die Lagerung von radioaktiven Abfällen. vertieft untersuchen wird: die beiden Regionen Zürich Nordost und Jura Ost.

Für Riniken also Grund zur Hoffnung, dass das Zürcher Weinland das Rennen um das atomare Tiefenlager gewinnt. Ueli Müller winkt ab: «Es ist falsch, wenn ich sage Hoffnung, dann will ich etwas jemandem geben, das ich gar nicht will und das wäre nicht fair». Deshalb müsse der Prozess fair ablaufen, sagt der Gemeinde-Ammann. Und wenn die Wahl auf Riniken fällt, dann sei es halt so.

Die Nagra bohrte bereits 1983

Riniken hat Erfahrung mit der Nagra. Vor über 30 Jahren hatte die Behörde bereits Sondierungsbohrungen durchgeführt, nördlich des Dorfzentrums. Damals ein grosser Schritt auf der Suche nach einem Tiefenlager. Bei der Bohrung zeigte sich aber, dass die kristallinen Schichten, welche die Nagra für ein Lager als geeignet einstufte viel tiefer lagen, als erwartet. Stattdessen stiess die nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) auf den Opalinuston, der heute als optimales Gestein für ein Endlager gilt.

Der Gemeinde-Ammann Ueli Müller erinnert sich, dass die Bewohner von Rinikon einstimmig den Bohrungen zustimmten. «Eine organisierte Opposition gab es nicht».

Auch heute sind die Einwoher von Rinikon nicht grundsätzlich gegen ein Tiefenlager, sie sind aber kritisch und stellen Fragen. An einer Informationsveranstaltung will die Bevölkerung wissen, wie gross das Tiefenlager wird, was bei einem Erdbeben passiert und wie lang die Behälter mit den radioaktiven Abfällen überhaupt halten. Fragen auf die die Spezialisten der Nagra und des Bundes geduldig antworten.

Ob Riniken die Kröte Endlager schlucken muss, wird nicht vor 2027 bekannt. Aber schon heute ist klar, der Gemeinde-Ammann befürchtet deswegen keinen Imageschaden für Riniken.

(Schweiz aktuell, 19:00 Uhr)