Zum Inhalt springen
Inhalt

Rücktritt AKB-Direktor Koradi «Er hat es freiwillig gemacht»

Legende: Audio Bankratspräsident Dieter Egloff nimmt Stellung abspielen. Laufzeit 06:33 Minuten.
06:33 min, aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 12.06.2018.

Der Direktor der Aargauischen Kantonalbank Pascal Koradi ist zurückgetreten. Er ist als ehemaliger Finanzchef der Post über die Postauto-Affäre gestolpert.

Die Kantonalbank schreibt, Pascal Koradi habe sich «zum Rücktritt entschieden». Er habe dies «nach reiflicher Überlegung» getan. Allerdings: Der Bankrat der AKB, also der Verwaltungsrat quasi, hatte am Montagabend eine Sitzung, direkt nach der Medienkonferenz der Post zum Postauto-Skandal.

Präsident Dieter Egloff nimmt Stellung.

SRF: Ist Pascal Koradi wirklich freiwillig gegangen oder hat man ihm mit der Entlassung gedroht?

Dieter Egloff: Er hat es freiwillig gemacht. Es ist Ausdruck eines hohen Verantwortungsbewusstseins, welches Herr Koradi in den letzten zwei Jahren gezeigt hat.

Wäre Koradi wirklich noch AKB-Präsident, wenn er jetzt nicht selbst zurückgetreten wäre?

Über diese Frage möchte ich nicht spekulieren. Diese Fragen stellte sich letztlich auch nicht. Selbstverständlich hätten wir uns alle Fragen zum Vertrauen und der Reputation stellen müssen. Aber nun mussten wir schlicht und einfach die Antwort nicht geben.

Pascal Koradi hat gestern Abend an einer Sitzung seinen Rücktritt erklärt. Sie haben bereits heute einen Nachfolger präsentiert. Das lässt vermuten, dass bereits im Vorfeld klar war, dass Koradi geht.

Wir sind uns bewusst, dass man dies so sehen kann. Es gehört zu den strategischen Aufgaben des Bankrats, dass man sich auf alle Eventualitäten vorbereitet.

Wir machten uns bereits im Februar Gedanken.

Wir machten uns bereits im Februar, als die ganze Geschichte aufkam, Gedanken, was im Falle eines Rücktritts von Koradi wäre. Mit Dieter Widmer haben wir eine gute interne Lösung gefunden.

Der Bankrat sagt, das Vertrauen in Pascal Koradi war nie in Frage gestellt. Das ist schwer zu glauben. Der Untersuchungsbericht der Post zeigt schliesslich, dass Koradi viel über die Verfehlungen bei Postauto wusste.

Diese Frage muss man im Kontext sehen. Es ging dem Bankrat immer um drei Fragen. Erstens: hat sich Pascal Koradi zivil- oder strafrechtlich nicht korrekt verhalten? Zweitens: Hat der Bankrat Vertrauen in die Person Koradi? Drittens: Schadet die Affäre der Reputation der Kantonalbank?

Diese Fragen haben wir uns immer wieder gestellt, aber die Antworten von Herrn Koradi waren immer glaubwürdig und nachvollziehbar. Es gab keinen Grund ihm das Vertrauen zu entziehen.

Das Gespräch führte Stefan Ulrich

Wieder Pech mit dem Chef

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen
Ein Mann schaut links an der Kamera vorbei
Legende:Andreas Waespi konnte die Stelle bei der AKB nicht antreten.Keystone

Bereits zum zweiten Mal muss die Aargauische Kantonalbank einen CEO ausserplanmässig ersetzen. Pascal Koradi ist seit November 2015 im Amt.

Eigentlich sollte aber Andreas Waespi im Mai 2015 der neue Chef der AKB werden. Waespi war früher Chef der Bank Coop und in dieser Funktion für illegale Kursmanipulationen verantwortlich. Die Finanzmarktaufsicht erteilte ihm deshalb ein Berufsverbot.

Der Bankrat der AKB musste deshalb einen Ersatz suchen. Diesen fand man im November 2015 in der Person von Pascal Koradi... der jetzt wieder ersetzt werden muss.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

7 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
    Ein Beispiel mehr, wie schnell man als "Bestverdiener" auf CEO-Stufe vom "hohen Seil" abstürzen kann! Als gewöhnlicher Handwerker oder Büezer kann man auch herabfallen, aber höchstens vom Mass einer Stuhlhöhe! Dieses Faktum sollten sich all jene, die hinter jedem Chefposten nur ein Abzocker oder "Lausbube" sehen wollen, auch einmal ganz sachlich durch den Kopf gehen lassen! Fehler machen alle! Die Folgen davon sind aber sehr verschieden (vorallem in finanzieller Hinsicht!).
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Maligan Jury (jury maligan)
    Einer mehr... wenn er Nichts falsch gemacht hätte, dann wäre er garantiert nicht zurückgetreten. Allerdings bewahrt er die KB vor einem Eklat, wenn bei der Postuntersuchung doch noch einiges zum Vorschein kommt. Und dies ist nach der bisherigen Erfahrung sicher.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Heinz Schweizer (Heiri)
    Es ist keinesfalls so, dass "falsche Leute an falschen Positionene" und dass solche Mischlereien nur bei Staatsbetrieben passieren. In der Privatindustrie werden solche Dinge diskret unter den Teppich gekehrt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen