Sanitär werden? Junge Aargauer und Solothurner winken ab

Bald beginnt das neue Lehrjahr. Doch noch immer sind hunderte Lehrstellen in den Kantonen Aargau und Solothurn nicht besetzt. Am wenigsten gefragt bei den Jungen sind Berufe in der Gebäudetechnik. Das hat auch mit dem Image der Sanitär- oder Heizungsinstallateure zu tun.

In wenigen Wochen starten tausende junge Leute in den Kantonen Aargau und Solothurn ihre Berufslehre. Die meisten Lehrstellen sind mittlerweile besetzt. Doch noch immer hat es freie Plätze – viele freie Plätze. Der Kanton Aargau verzeichnet am Stichtag 20. Juli noch 519 offene Lehrstellen, der Kanton Solothurn über 300.

Bei welchen Berufen hat es denn noch offene Lehrstellen? Die Antwort ist in beiden Kantonen ähnlich. Ruedi Zimmerli, Leiter Lehraufsicht beim Kanton Solothurn: «Spengler, Maurer, Maler, Sanitär-Installateur, Elektro-Installateur. Aber auch Berufe im Gastgewerbe sind noch offen, vor allem als Koch».

Lehrlinge am längeren Hebel

Marc Aurel Hunziker von der Abteilung Berufsbildung des Kantons Aargau: «Bei den Elektro-Installateuren haben wir noch 34 offene Lehrstellen zu verzeichnen. Ebenso im Bereich der Gebäudetechnik, wo bei den Sanitär-Installateuren rund 20 Prozent der Lehrstellen nicht besetzt sind. Und auch bei den Heizungs-Installateuren hat es noch offene Lehrstellen.»

Bei den Jungen nicht besonders gefragt sind Berufe, bei welchen man sich die Hände schmutzig macht. Wobei das schlechte Image zum Teil gar nicht mehr gerechtfertigt sei, sagt Ruedi Zimmerli: «Da halten sich Klischees über Jahrzehnte, die einfach nicht mehr zutreffen.» Zimmerli wünscht sich, die Jungen und ihre Eltern würden sich besser über die Berufe informieren.

«  Die Lernenden können heute auswählen. »

Marc Aurel Hunziker
Abteilung Berufsbildung Kanton Aargau

Doch die Jungen können es sich heute leisten, gewisse Berufe links liegen zu lassen. Anders als früher, wo es nicht für alle Junge eine Lehrstelle gab, sitzen sie heute aus demografischen Gründen am längeren Hebel. Marc Aurel Hunziker: «Es kommen weniger Abgänger von den Volksschulen auf den Lehrstellenmarkt. Das führt dazu, dass sich der Lehrstellenmarkt zu einem Nachfragemarkt entwickelt hat. Das heisst: Die Lernenden können auswählen.»

«Lieber Krawatte als Übergwändli»

Zu spüren bekommt die aktuelle Situation etwa die Stäuber AG in Bad Zurzach. Geschäftsführer Christoph Bugmann hat eine Lehrstelle als Sanitär-Installateur zu vergeben. Er glaubt aber nicht, dass er sie diesen Sommer noch besetzen kann. Bugmann wartet auf den September, wenn sich die ersten für eine Lehrstelle im Jahr 2016 bewerben.

«Die Jungen zieht es ins Büro. Sie tragen lieber Krawatte als Übergwändli», bedauert Bugmann. «Unsere Branche ist ein Stück weit selber schuld. Wir haben den Berufsstolz verloren und müssen unser Image aufpolieren.»

Schlechte Schüler

Das Image ist aber nur das eine, weshalb viele Lehrstellen im Bereich Gebäudetechnik nicht besetzt werden. Das andere: Jene die sich bewerben, erfüllen die Anforderungen teilweise nicht. «Jemand mit einer Mathematik-Note 2 oder 3 in der Realschule hat keine Chance», sagt Christoph Bugmann. Für die offene Lehrstelle bei der Stäuber AG hatte er durchaus Bewerber, musste sie aber ablehnen.

Thomas Kläy, Präsident der Solothurner Sektion des Branchen-Verbands suissetec, weiss um die vielen schulschwachen Bewerber. Man könne die Anforderungen aber nicht senken. Wegen der Solar- und Wärmepumpen-Technik seien die Anforderungen an die Branchen-Fachleute eher noch gestiegen. Um die Situation zu entschärfen, sollen hingegen die Berufslehren schweizweit von drei auf vier Jahre verlängert werden, kündet Kläy an. So könne der Stoff über längere Zeit vermittelt werden.

(Bildnachweise: Marco Jaggi/SRF; Colourbox)