Schlägerei am Bahnhof Aarau: Fussball-Krawalle ganz ohne Spiel

Es hätte auch Tote geben können: Am Bahnhof Aarau trafen sich am Samstagabend offenbar mehrere Jugendliche zu einer verabredeten Schlägerei. Als die Polizei eintraf, flüchteten die Jugendlichen über die Geleise in alle Richtungen. Der Bahnverkehr war gestört. Die Polizei ist genervt.

Verlassenes Perron Gleis 1 am Bahnhof Aarau

Bildlegende: Tatort Bahnhof: Auf diesem Perron prügelten sich am Samstagabend mindestens 20 Jugendliche. SRF

«Wir haben ja um die Fussballspiele herum schon genug Probleme», wettert Mediensprecher Bernhard Graser von der Kantonspolizei. «Nun treffen sich diese sogenannten Fans auch sonst noch, um sich zu prügeln.» Tatsache ist: Bei verschiedenen Medien sind Fotos und Videos gelandet, die eine Schlägerei auf den Perrons zeigen. Jugendliche gehen mit Fäusten und Fusstritten aufeinander los, es fliegen Feuerwerkskörper und Bierflaschen.

Polizei ermittelt auch ohne Anzeigen

Als gegen halb zwölf am Abend mehrere Polizei-Patrouillen anrücken, verzieht sich der Pulk. «Die vermummten Jugendlichen flüchteten über die Geleise», bestätigt Bernhard Graser gegenüber SRF. «Es hätte Tote geben können». Die SBB meldet am Abend: Behinderungen im Bahnhof Aarau wegen Vandalismus.

Für die Polizei ein schwieriger Fall: «Wir haben die Personalien von gerade einmal zwei Jugendlichen aufnehmen können.» Gegen diese beiden werde nun ermittelt, sie müssten beide mit einer Vorladung rechnen, so Graser weiter. Verletzte gab es nicht. Und Anzeige habe niemand erstattet, so Bernhard Graser. «Die werden nicht die Polizei involvieren wollen.»

Ermittelt werde trotzdem. «Wir können auch von Amtes wegen aktiv werden, zum Beispiel wegen Störung des öffentlichen Verkehrs und wegen Raufhandels.» In diesem Zusammenhang will die Polizei auch alle verfügbaren Video- und Fotodaten auswerten.

«FC Aarau» gegen «FC Zürich»?

Die Polizei werde alles in ihrer Macht stehende tun, um diese Jugendlichen zur Rechenschaft zu ziehen, so Bernhard Graser. Noch ist unklar, was hinter der Prügelei steckt. Allerdings: Die Videoaufnahmen deuten darauf hin, dass sich Anhänger des FC Aarau und des FC Zürich gegenüber standen. Als Motiv liegt daher das schlagzeilenträchtige Foul von Sandro Wieser nahe.

So oder so: Bernhard Graser von der Kantonspolizei ist einmal mehr genervt über das Auftreten der sogenannten Fans. «Als Polizist wird man hässig über solche Situationen. Es kann und darf nicht sein, dass diese Leute für ihre persönlichen Rivalitäten den öffentlichen Raum beanspruchen. Wir könnten unsere Patrouillen für wichtigere Angelegenheiten einsetzen. Und abgesehen davon: Wenn wirklich mal ein Zug kommt, dann wird es extrem gefährlich.»