Schnarchende Politiker und laute Züge an der Solothurner Fasnacht

Am Abend des Schmutzigen Donnerstags ziehen die Schnitzelbankgruppen traditionell erstmals durch Solothurn und präsentieren ihre neusten Verse. Mit feinsinnigen Pointen und bissigen Reimen halten sie der Obrigkeit den Spiegel vor. Politiker und auch die Nachbarstadt Grenchen bekamen ihr Fett ab.

Natürlich machen auch nationale und internationale Themen vor den Toren Honolulus, so heisst Solothurn während der Fasnachtszeit, nicht Halt. Allerdings finden die Verseschmiede dabei nicht selten einen Link ins Lokale. Für die Gruppe G.O.R.P.S. war klar, die NSA hörte all ab, zapfte gar Putins stilles Örtchen an, aber das Schnarchen aus dem Solothurner Rathaus konnten die Amerikaner nicht dechiffrieren.

Immer wieder geriet auch Alt-Regierungsrat Christian Wanner ins Visier der Narren. Seine hohen Sitzungsgelder und sein Engagement bei einer privaten Klinikgruppe sorgten für reichlich Spott und Hohn. Ein beliebtes Sujet war auch die Aarefähre bei Nennigkofen. Als Ersatz dafür wurden von den «Elisi» bespielsweise Weissensteingondeln vorgeschlagen, da diese ja sowieso in nächster Zeit nicht gebraucht würden.

Evergreen Kurt Flury

Wäre der Solothurner Stadtpräsident Kurt Fluri für einmal nicht Thema bei einer Schnitzelbankgruppe, so würde etwas fehlen. Auch wenn die Themen dabei nicht neu sind, gelacht wird trotzdem immer wieder über des Stadtpräsidenten ewig graue Kleider oder seine Nickerchen während Sitzungen. Und so wie Kurt Fluri darf auch das Bipperlisi nicht fehlen. Die Regionalbahn, die Solothurn und Langenthal miteinander verbindet.

Für die Ambassadoren Bäse war klar: Was die Snowboarder an waghalsigen Sprüngen in der Halfpipe vollführen, ist durchaus mit dem Geholper des Bipperlisis vergleichbar. Und die «Füüuzlüüs» fanden, wenn der Kanton die 30-jährige Aarefähre aus dem Verkehr ziehe, hätte man das Bipperlisi längst verschrotten sollen.

Geliebte Feinde

Grenchen und Solothurn verbindet nicht nur, aber vor allem während der Fasnaschtszeit eine innige Hassliebe. Hüben wie drüben wird keine Pointe auf Kosten der Nachbarstadt ausgelassen. Und Grenchen bot den Solothurner Fasnächtlern heuer viel Grund zum Lachen. Der gehässige Wahlkampf ums Stadtpräsidium, die Skulptur der Blauen Bertha, welche altershalber eine Brust verlor oder das neue Velodrom wurden fleissig thematisiert.

Zwei Mitglieder der Ambassadoren Bäse tragen ihre Schnitzelbänke vor.

Bildlegende: Die Ambassadoren Bäse in Aktion. SRF

Fast genauso häufig wie die Stadt Grenchen schaffte es auch der Schwinger Bruno Gisler in die fasnächtlichen Schlagzeilen. Für die «Füuzlüüs» war bespielsweise klar, dass es für Gisler noch viel schlimmer hätte kommen können. Hätte er statt des Spagyrik-Sprays die Pille seiner Frau geschluckt, hätten ihn die Schwingerkollegen wegen der «grossen Ohren» nicht mehr ernst genommen.

Nachdenkliche Narren

Nicht alle Verse gingen den Schnitzelbankgruppen jedoch gleichermassen leicht von den Lippen. Die Masseneinwanderungsinitiative machte die Verseschmiede nachdenklich und gaben dem Publikum zu denken. Die «Stedtliischiesser» besangen den Maschendrahtzaun in den Köpfen gewisser Politiker, die «Schnädderhäggse» beweinten die vereinsamten Schweizer.