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Schweizer Firmen in China «Wir müssen lernen, gegenüber den Chinesen härter aufzutreten»

Flaggen von China und Schweiz
Legende: Keystone

China fordert Europa, die USA und auch die Schweiz heraus. Jüngste Entwicklungen wie die Syngenta-Übernahme befeuern die Vorbehalte gegenüber der Weltmacht.

Wie sollen Schweizer Unternehmen und Institutionen im Austausch mit China reagieren? Dieser Frage ging die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) an ihrem diesjährigen Schweiz-China-Symposium am Donnerstag in Olten nach. Ruedi Nützi, Direktor der Hochschule für Wirtschaft der FHNW, pflegt seit 25 Jahren den Austausch mit China.

SRF News: Eine Zeitlang drängten viele Schweizer Firmen nach China. Sie sahen den grossen Markt. Mittlerweile scheint die Euphorie verflogen. Es gibt im Gegenteil Kritik an Chinesen, die in der Schweiz Firmen aufkaufen. Sind Schweizer Firmen zurückhaltender geworden?

Ruedi Nützi: Mein Eindruck ist, dass das Geschäften in und mit China schwieriger geworden ist. China hat gelernt, wurde selbstbewusster und erfolgreicher. Die Erwartungshaltung in der Schweiz war, dass dank dem Freihandelsabkommen quasi über Nacht alles besser wird - und das ist halt nicht so. Es ist einfach ein langer und steiniger Weg, wenn man mit China etwas machen will.

Wie lässt sich verhindern, dass es zu Werkspionage kommt, dass chinesische Unternehmen Ideen aus der Schweiz abzügeln und selber umsetzen?

Ich habe keinen konkreten Lösungsvorschlag. Aber wir müssen die Reihen schliessen zwischen Politik und Wirtschaft. Wenn es solche Verstösse gibt, muss man das beim Namen nennen und hart auftreten gegenüber China. Und wenn man sich koordiniert, findet man allenfalls bessere Wege, als wenn es jeder für sich selber probiert.

Es gibt Unternehmen, die schlechte Erfahrungen machen. Wie kommt das?

Ich habe den Eindruck, dass wir Schweizer sehr zuvorkommend, freundlich, höflich sind. Wir suchen oft Lösungen, die für beide Seiten stimmen. Und in China ist das anders. Chinesen schauen für sich selber, die haben einen klaren Plan, die schauen egoistisch für ihren Vorteil. Wir müssen lernen, gegenüber den Chinesen härter aufzutreten, und eigene schweizerische Interessen genau gleich hart zu vertreten, wie das Chinesen uns gegenüber tun.

Und wo sehen sie dann die Chance in der Zusammenarbeit mit China?

Jede Zusammenarbeit bietet Risiken und Chancen. Ich bin jetzt seit 25 Jahren mit China unterwegs. Meine Schlussfolgerung ist: Die Auseinandersetzung mit China hilft der Schweiz, fit zu bleiben. Weil China halt eben gross und dominant ist, weil es vorwärtskommen will und seine Leute ehrgeizig sind. Wir müssen uns mit den Besten messen, und zu diesen Besten gehören gegenwärtig auf der Welt halt die Chinesen.

Schweiz-China – Eine lange Beziehung

Die Schweiz pflegt seit Jahrzehnten intensive diplomatische und wirtschaftliche Kontakte mit der Weltmacht China. 1950 war die Schweiz eines der ersten westlichen Länder, welche die Volksrepublik China anerkannte. Mittlerweile bestehen über 30 offizielle Partnerschaften zwischen Schweizer und chinesischen Städten, Kantonen, Regionen und Provinzen. Die älteste Partnerschaft – zwischen der Stadt Zürich und Kunming – feierte im letzten Jahr bereits ihr 35-jähriges Bestehen.

Das Gespräch führte Barbara Mathys.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Jürg Häusermann (Ebenda)
    SNB Devisenreserven dafür zu nutzen geht nicht. Es sind eben Devisen, also ausl. Valuta. Auch wünschte ich mir nicht, dass die SNB für politische Zwecke Firmenanteile erwirbt. Die SNB hat und darf keinen politischen Auftrag erhalten. Aber vielleicht sollten Firmenkäufe durch chin. Unternehmen einer grundsätzlichen behördlichen Genehmigung unterliegen, unabhängig von Grösse und Branche.
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  • Kommentar von Alex Schneider (Alex Schneider)
    Wie lange müssen wir noch zusehen? Sind denn in Singapur, Norwegen, China und den arabischen Staaten nur Amateure am Werk, welche in grossem Stil mit Staatsfonds operieren? Wie lange müssen wir noch zusehen wie sich Staatsfonds und grosse Staatsbetriebe schweizerische Unternehmen unter den Nagel reissen? Mit einem Teil der Devisenreserven der SNB könnten wir ja auch zum Erhalt der Schweizer Unternehmen in Schweizer Hand beitragen.
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