Schweizer Premiere: In Aarau wird ein Hochhaus gesprengt

Erstmals wird in der Schweiz ein Hochhaus gesprengt. Mit total 75 Kilogramm Sprengstoff soll in Aarau ein zwölfstöckiges Hochhaus gezielt zum Einsturz gebracht werden. Der grosse Knall, der auch viel Publikum anlocken wird, ist generalstabsmässig geplant.

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Schweizer Premiere

5:02 min, aus Schweiz aktuell vom 4.3.2013

Punkt zwei Uhr in der Nacht auf den kommenden Freitag soll das ehemalige Hochhaus «Sprecherhof» (Rockwell) gesprengt werden. Das sagte Walter Weber, Chef der GU Sprengtechnik AG in Erlinsbach AG, am Montag vor den Medien in Aarau. «Das ist kein Theater, das ist Arbeit», hielt Weber fest.
 
Die Vorbereitungen für die Sprengung des Hochhauses, das in einem ehemaligen Industrieareal unweit des Bahnhofes Aarau liegt, laufen seit Wochen auf Hochtouren. Das 1966 errichtete Gebäude wurde bereits ausgeschlachtet.
 
Der in den Boomjahren des letzten Jahrhunderts verbaute Asbest und PVC wurden fachgerecht entfernt und entsorgt. Beim Hochhaus handelt es sich um einen monolithischen Stahlbetonbau mit zwei Stützreihen.

Die Statik des Gebäudes sei geschwächt worden, erläuterte Weber. Es gehe darum, möglichst wenig Sprengstoff verwenden zu müssen, um das Gebäude zu Fall zu bringen.

Etappenweise Sprengung

Zuerst soll am Skelettbau der Sprengstoff an drei Stellen gezündet werden, damit dieser Bau senkrecht in sich zusammenfällt. Nach ein bis zwei Sekunden soll der Sprengstoff am massiven Treppenturm im zweiten und sechsten Geschoss gezündet werden.

Die Fachleute wollen so erreichen, dass der 45 Meter hohe Turm einknickt und kippt. Auch in den zwei Kellergeschossen des Turms wird Sprengstoff gezündet.

Weber rechnet damit, dass 5000 Tonnen Masse einstürzen. Es werde ein Schuttkegel mit einer Fläche von 15 mal 30 Metern entstehen, der bis zu 15 Meter hoch sein werde. «Es wird ordentlich Staub geben», sagte er.
 
Der Rückbau und die Sprengung kosten rund 1,5 Millionen Franken. Die Eigentümerin des Hochhauses, die Immobiliengesellschaft Mobimo Holding AG, lässt sprengen, weil dies die «effektivste Lösung» sei, hiess es vor den Medien. Man könne sechs Wochen Zeit sparen.

1500 Zünder werden verlegt

Um die 75 Kilogramm Sprengstoff zünden zu können, werden derzeit rund 1400 Löcher ins Hochhaus gebohrt. Fachleute verlegen 1500 Zünder, die dann auf Millisekunden genau aktiviert werden. Seit Anfang Woche wird das Gebäude bewacht.

Die Sprengung findet aus Sicherheitsgründen in der Nacht auf Freitag um zwei Uhr statt. Das Gebiet um das Hochhaus, das nur rund 100 Meter von der SBB-Bahnlinie Bern-Zürich entfernt ist, wird grossräumig abgesperrt.

Auch Armee hilft

In der engeren Gefahrenzone werden die wenigen Anwohner evakuiert. In der äusseren Zone sollen die Personen in den Häusern bleiben und die Fenster schliessen.

Mehr als 100 Personen werden im Einsatz stehen und für Sicherheit sorgen. Neben Polizei und Feuerwehr arbeiten auch 50 Armeeangehörige des Lehrverbandes Genie/Rettung mit. Sie werden mit Wasserwerfern den Staub eindämmen.

Scheinwerfer werden das Hochhaus anleuchten. Die Verantwortlichen rechnen damit, dass der grosse Knall viele Zuschauer anlocken wird. Wenn alles gemäss Drehbuch abläuft, soll die äussere Gefahrenzone bereits eine halbe Stunde nach der Sprengung freigegeben werden.

Die Immobiliengesellschaft Mobimo will am Standort bis 2016 ein neues Wohn- und Arbeitsquartier errichten. Die GastroSocial Pensionskasse, die Vorsorgeeinrichtung der Wirte, wird an der Stelle des «Sprecherhofes» ein neues, zwölfstöckiges Hochhaus errichten.