Schwester Benedikta hat die Solothurner Einsiedelei verlassen

Seit Samstag ist die Klause in der Solothurner Verenaschlucht leer. Schwester Benedikta hat per Ende Februar gekündigt. Einen neuen Einsiedler sucht die Bürgergemeinde Solothurn vorläufig nicht. Und vielleicht schreibt sie die Stelle auch später nicht mehr neu aus.

Frau mit Kopftuch vor kleinem Haus mit Garten

Bildlegende: War sie die letzte Einsiedlerin? Vielleicht bleibt die Klause bei Solothurn für immer unbewohnt. SRF

Am 1. Juli 2014 ist Schwester Benedikta in ihre Klause in der Solothurner Verenaschlucht eingezogen. Nun hat sie diese wieder verlassen. Sie hat ihre Anstellung als Einsiedlerin per Ende Februar 2016 gekündigt.

Schwester Benedikta habe noch über Ferienguthaben verfügt und die Klause bereits letzten Samstag verlassen, teilte die Bürgergemeinde Solothurn am Dienstag mit.

1442 war erstmals in historischen Dokumenten ein Einsiedler in der Verenaschlucht erwähnt worden. Schwester Benedikta war 2014 die zweite Frau, die als Einsiedlerin gewählt wurde. 119 Personen aus dem In- und Ausland hatten sich für die Stelle beworben.

Zu unterschiedliche Vorstellungen

Wirklich wohl schien sich die Bernerin in der Einsiedelei nie gefühlt zu haben. Sie hatte andere Ziele und Vorstellungen als die Bürgergemeinde Solothurn, was nun auch zur Kündigung geführt hat.

Frau mit Besen auf Steintreppe

Bildlegende: Schwester Benedikta lebte fürs Gebet. Für die täglichen Hausarbeiten wurden kürzlich Aushilfen angestellt. SRF

Schwester Benedikta wollte die Einsiedelei als Ort der Spiritualität bewahren, der Rummel um den Kraftort war ihr zuviel. Sergio Wyniger, Präsident der Bürgergemeinde, sagt hingegen: «Es soll für alle Platz haben». Auch für Biker, Jogger und Hündeler soll die Verenaschlucht offen sein.

Umstritten war, ob Schwester Benedikta selber den Rummel um die Vereneschlucht angeheizt hat. Ihre zahlreichen Auftritte wie etwa in der Sendung «Äschbacher» und die Veröffentlichung ihrer Autobiografie wurden in Solothurn nicht von allen gern gesehen. Das bringe erst Recht noch mehr Touristen, hiess es zuweilen.

Gar kein Einsiedler mehr?

Die Stelle einer Einsiedlerin oder eines Einsiedlers wird vorläufig nicht ausgeschrieben. Die Bürgergemeinde Solothurn will die Situation in der Einsiedelei St. Verena grundsätzlich überdenken und ein neues Konzept ausarbeiten.

Alles sei möglich, sagt Sergio Wyniger im Interview mit SRF. Es sei sogar denkbar, dass die Stelle gar nicht mehr neu vergeben werde und die fast 700 Jahre alte Tradition des Einsiedlers aufgegeben werde.

Die «Hauswartarbeiten» in der Einsiedelei werden vorläufig durch die bisherigen Stellvertreter übernommen. Die Kapellen können weiterhin für Anlässe wie Andachten, Hochzeitsfeiern und Taufen reserviert werden.