Situation auf dem Lehrstellenmarkt ist komfortabel

Die Tendenz der letzten Jahre bestätigt sich: Es gibt weniger Schulabgänger als offene Lehrstellen. Und trotzdem bleiben einige Jugendliche auf der Strecke. Wer zu wenig genug qualifiziert ist, bekommt keinen Lehrvertrag. Wenn sich niemand geeignetes findet, lassen Betriebe die Stelle lieber offen.

Zusammenschweissen von zwei Schienenteilen: Schüler interessieren sich für den Beruf des Verkehrwegbauers an einem Anlass von " login", dem Ausbildungsverband von SBB, BLS und weiteren Unternehmen des öffentlichen Verkehrs.

Bildlegende: Lehrstellen für Schulabgänger gibt es genug, zum Beispiel auch bei den SBB. Keystone

Im Kanton Solothurn werden jedes Jahr rund 2'300 neue Lehrverträge unterzeichnet. Mitte April sind beim Amt für Berufsbildung, welches diese Verträge absegnet, bereits 1'600 neue Lehrverhältnisse registriert. Renato Delphini, Leiter Berufs- und Studienberatung, spricht von einer «entspannten», ja «komfortablen Situation» für die Jugendlichen.

«Dank geburtenschwacher Jahrgänge ist das Angebot an Lehrstellen grösser als die Nachfrage», erklärt Renato Delphini und fügt an, dass trotzdem einige Schulabgänger leer ausgehen werden.

«  Wer sich sauber vorbereitet, bekommt mit vernünftigem Aufwand eine Lehrstelle.  »

Renato Delphini
Leiter Berufs- und Studienberatung Kanton Solothurn

Für Renato Delphini ist aber klar: Wer mit schlechten Noten und auffälligem Verhalten auf die Suche nach einer Lehrstelle geht, hat auch bei der momentan guten Ausgangslage Probleme.

Betriebe lassen auch mal bewusst Lehrstellen unbesetzt

Auf der Internetplattform «Lena» finden sich für den Kanton Solothurn aktuell gut 700 freie Lehrstellen, im Kanton Aargau sind es rund 1'100. Grundsätzlich findet sich in beiden Kantonen eine breite Palette an Möglichkeiten. Besonders gesucht sind Lernende im Detailhandel und im «KV», aber auch als Polymechaniker und Elektroinstallateure.

Aber: Nicht alle freien Stellen werden auch besetzt. Delphini sagt: «Wenn Betriebe keinen passenden und genügend qualifizierten Lehrling finden, lassen sie eine Stelle auch mal unbesetzt. Die Ausbildung ist aufwändig geworden, da will man keine Abbrüche riskieren», erklärt Delphini.

Mit dem Express zur Lehrstelle

Die SBB beschreiten seit fünf Jahren einen neuen Weg, bei der Rekrutierung von Lernenden. Im Verbund mit anderen Verkehrsunternehmen haben sie den «Lehrstellenexpress» lanciert. Dieser macht aktuell in Olten Halt.

Innerhalb von nur einer Woche wird entscheiden, ob jemand eine Lehrstelle bekommt oder nicht. In einer Art Schnellverfahren werden Eignungstest, Praktika und ärztliche Untersuchung aneinandergereiht. Die SBB haben den «Lehrstellenexpress» für die weniger beliebten Berufe Gleisbauer und Gebäudereiniger lanciert.

Offenbar mit Erfolg: «Ein Drittel der 80 Lehrstellen für Gleisbauer besetzten wir jährlich dank des ‹Lehrstellenexpress›», sagt die zuständige Marketingverantwortliche Sandra Fichte gegenüber dem Regionaljournal Aargau Solothurn von Radio SRF.