Solothurn: Fast jeder Zehnte bricht seine Berufslehre ab

Im Kanton Solothurn gab es 2014 leicht weniger laufende Lehrverträge. 6313 junge Menschen befanden sich in einer Berufslehre. Die rückläufigen Zahlen haben mit den rückläufigen Schülerzahlen zu tun. Allerdings: Auch die Zahl der abgebrochenen Lehren steigt.

Coiffeur-Lehrling schneidet Haare an einer Perücke

Bildlegende: Besonders häufig lösen angehende Friseure und Schönheitspflegende ihre Lehrverträge auf. Keystone

6313 Jugendliche befanden sich im letzten Jahr im Kanton Solothurn in einer Berufslehre, wie das Amt für Berufsbildung am Mittwoch mitteilte. Das sind 16 Jugendliche weniger als im Vorjahr. Die Zahlen dürften auch in den nächsten Jahren sinken, heisst es beim Kanton. Grund dafür seien die sinkenden Schülerzahlen.

Die beliebtesten Berufslehren sind weiterhin im kaufmännischen Bereich, im Detailhandel und in den technischen Bereichen der Metall- und Maschinenindustrie zu finden.

Häufig lösen Lehrbetriebe den Vertrag auf

2206 neue Lehrverhältnisse für drei- oder vierjährige Berufslehren wurden 2014 abgeschlossen. Dazu 290 Lehrverhältnisse für zweijährige Ausbildungen.

Diese Zahlen belegen gemäss Amt für Berufsbildung, dass die «Ausbildungsbereitschaft der Solothurner Unternehmen weiterhin hoch» sei.

Allerdings: Relativ viele Lehrverträge werden auch wieder vorzeitig aufgelöst, nämlich insgesamt 9,4 Prozent aller Verträge. Diese Quote sei im Vergleich zu den Nachbarkantonen eher tief, betont das Solothurner Amt für Berufsbildung. Trotzdem entwickle man «laufend geeignete Massnahmen», um die Zahl der Vertragsauflösungen zu reduzieren.

so Lehrverhältnisse und Anzahl Auflösung Die Zahl der aufgelösten Lehrverhältnisse ist in den letzten Jahren im Verhältnis leicht angestiegen. 2011 wurden 8,7 Prozent der gesamten Verträge aufgelöst, 2013 waren es 9,3 Prozent und 2014 sogar 9,4 Prozent. Dabei werden alle Arten von Lehren (Fähigkeitszeugnis, Berufsattest und Anlehren) berücksichtigt.

Besonders häufig werden Lehrverhältnisse in der Gastronomie aufgelöst (fast 22 Prozent aller Lehrverträge). Dies sei auf die «spezifischen Arbeits- und Lohnbedingungen» zurückzuführen, heisst es in der Mitteilung des Kantons. Sprich: Lange oder unregelmässige Arbeitszeiten und tiefe Löhne.

Die am stärksten betroffenen Branchen im Überblick:

  • Gastgewerbe und Catering: 21,9 Prozent Lehrabbrüche
  • Ernährungsgewerbe: 20,2 Prozent Lehrabbrüche
  • Friseurgewerbe und Schönheitspflege: 17,2 Prozent Lehrabbrüche
  • Kunstgewerbe: 13,8 Prozent Lehrabbrüche
  • Kraftfahrzeuge, Schiffe und Flugzeuge: 13,7 Prozent Lehrabbrüche
  • Baugewerbe, Hoch und Tiefbau: 13 Prozent Lehrabbrüche

Interessant sind auch die Gründe für die Lehr-Abbrüche: Oft gehen diese offenbar vom Lehrbetrieb aus und nicht von den Lehrlingen.

Bei den drei- und vierjährigen Berufslehren sind es nämlich vor allem «mangelnde Leistungen» der Lernenden oder «falsche Berufswahl», die zum Abbruch führen.

Bei den zweijährigen Lehren heisst der Hauptgrund «Pflichtverletzungen der Lernenden», wie aus der Medienmitteilung des Kantons Solothurn vom Mittwoch hervorgeht.

Erfolgsmodell «Nachholbildung»

Als Erfolg bezeichnet das Amt für Berufsbildung hingegen die Durchlässigkeit im Bildungssystem. Folgende Zahlen sollen dies belegen:

  • 242 Personen machen eine Zweitausbildung
  • 60 Personen machen eine verkürzte Berufslehre (Anrechnung der Vorbildung)
  • 364 Personen bereiten sich auf das Qualifikationsverfahren vor für die «Nachholbildung» (diese haben eine mehrjährige Berufspraxis, aber noch keinen anerkannten Berufsabschluss)

Dank diesen Zusatzangeboten erhalte die Wirtschaft weitere Fachleute, heisst es beim Kanton. Das sei «angesichts der demografischen Entwicklung eine nicht zu unterschätzende Ressource».

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Lehr-Abbruch

11 min, aus Rundschau vom 8.9.2004

Königsweg Berufslehre

Die Berufslehre bleibt der beliebteste Bildungsweg nach Abschluss der obligatorischen Schule. Die Zahlen 2014:

  • 55 Prozent starten Lehre
  • 30 Prozent starten allgemeinbildende Schule (Gymnasium etc.)
  • 12 Prozent besuchen ein Brückenangebot
  • 3 Prozent ohne Anschlusslösung