Solothurn rüstet seine Katastrophen-Vorsorge auf

Die Organisationen des Solothurner Bevölkerungsschutzes sollen künftig noch enger zusammenarbeiten. Dazu hat der Kanton den Führungsstab neu organisiert. Neu sind Vertreter von Polizei, Feuerwehr, Rettungsdiensten und Zivilschutz in der Chef-Etage vertreten.

Blick in die Küche im Solothurner Führungsbunker: Graue Wände mit einer Hochglanz-Armatur im Vordergrund.

Bildlegende: Der Kantonale Führungsstab kann sich in Krisenzeiten selber versorgen: Die Küche des Verwaltungsschutzbaus in Solothurn. Felix Gerber

Bei grösseren Notlagen wie Überschwemmungen, Seuchen oder einem AKW-Unfall sind verschiedene Behörden gleichzeitig gefordert: Polizei, Feuerwehr, Sanität, Technische Betriebe, Zivilschutz und Armee müssen dann unter Umständen gemeinsam in den Einsatz.

Die Koordination solcher Grosseinsätze übernehmen sogenannte Führungsstäbe. Der oberste Führungsstab im Kanton ist der Kantonale Führungsstab (KFS), der direkt der Regierung unterstellt ist. Er koordiniert gemeinsam mit den Regionalen Stäben die Einsätze im ganzen Kanton bei Katastrophen. Dieser KFS ist im Kanton Solothurn neu organisiert.

Alle Partnerorganisationen mit dabei

Die Chef-Etage des Führungsstabes wurde vergrössert. Neu stellen Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste und Zivilschutz je einen stellvertretenden Stabschef. Durch diese Vertretung im obersten Führungsgremium erhoffen sich die Solothurner Behörden eine engere und stärkere Zusammenarbeit aller Partner im Bevölkerungsschutz.

Gruppenfoto der Stabsmitglieder des Kantonalen Führungsstabes Solothurn.

Bildlegende: Der neue Kernstab des Kantonalen Führungsstabs: Der neue Stabschef Urs Schmid (2. von links) mit seinen Leuten. zvg Staatskanzlei Solothurn

«Diese Führungsriege kann kleinere Notlagen jetzt auch im Alleingang koordinieren, wir müssen nicht mehr alle Stabsmitglieder aufbieten», erklärt der zuständige Amtsleiter Diego Ochsner gegenüber Radio SRF. «Bei einer Maul- und Klauenseuche zum Beispiel bieten wir nur die Chefs und den Veterinär auf, das reicht aus, um das Problem zu lösen.»

Damit werde der KFS effizienter, aber auch glaubwürdiger. Die Einsatzkräfte vor Ort wüssten nun, dass Spezialisten in den Schlüsselpositionen des KFS sitzen.

Entlastung der Regionalen Führungsstäbe

Ein weiteres Anliegen ist die Entlastung der regionalen Führungsstäbe. Diese bestehen zum grössten Teil aus Miliz-Angehörigen wie Gemeinderäte oder Feuerwehrleute. «Viele Leute haben keine militärische Ausbildung oder Feuerwehr-Erfahrung. Für sie ist es schwierig, die Einsatzkräfte in der Region zu führen.»

« Die Regionen sollen sich auf die Aufgaben beschränken, die sie auch lösen können. »

Die Regionalen Führungsstäbe sollen künftig deshalb weniger führen, sondern viel mehr koordinieren. «Sie sollen sich auf die Aufgaben beschränken, die sie auch kompetent lösen können: Zum Beispiel Evakuierungen vorbereiten, Unterkünfte suchen oder auch den Wiederaufbau nach der Katastrophe koordinieren», führt Diego Ochsner aus.

Mit diesem Konzept geht der Kanton Solothurn einen anderen Weg als zum Beispiel der Aargau: Hier haben die Regionalen Führungsstäbe weitreichendere Führungskompetenzen.

Neuer Stabschef ist Polizist

Auch personell gibt es Wechsel im Kantonalen Führungsstab in Solothurn: Die Stelle des Stabschef wurde über längere Zeit von Amtsleiter Diego Ochsner besetzt. Er hatte im letzten Jahr den Stabschef entlassen. Nun übernimmt der Chef der Regionenpolizei, Urs Schmid, die Rolle des Stabschefs im KFS.