Solothurner Kindes- und Erwachsenenschutz in Nöten

Im Kanton Solothurn hat am 1. Januar 2013 die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) die Vormundschaftsbehörden abgelöst. Eigentlich hätte die Behörde professioneller arbeiten sollen. Doch sie kämpft mit strukturellen Problemen und Personalwechseln. Die Gemeinden werden langsam ungeduldig.

Schulmädchen mit Rucksack von hinten kratzt sich am Kopf

Bildlegende: Die Solothurner Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde KESB hat 2013 die Vormundschaftsbehörden abgelöst. Keystone

Seit rund 18 Monaten kümmert sich im Kanton Solothurn die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) um alles, was die Vormundschaft betrifft. Sie arbeitet dabei mit den Sozialregionen der Gemeinden zusammen - und genau von dort wird jetzt einmal mehr Kritik laut.

Thomas Blum, Leiter der Geschäftsstelle des Verbandes der Solothurner Einwohnergemeinden sagt: «Wir sind noch nicht zufrieden, wie die KESB jetzt läuft. Es gibt nach wie vor strukturelle Punkte und personelle Fragen, die geklärt und verbessert werden müssen.» Konkret scheint die Kommunikation zwischen den Verantwortlichen der KESB und den Leuten in den Sozialregionen nach wie vor schwierig zu sein.

Akademische Theoretiker und pragmatische Macher

Mit dem neuen Kindes- und Erwachsenschutzgesetz, das unter anderem mit der KESB umgesetzt wird, wurde der ganze Bereich Vormundschaft professionalisiert. Früher waren in den Gemeinden Laien für Vormundschaften zuständig, heute übernimmt das die Behörde mit ihren Profis.

Die KESB gibt Gefährdungsmeldungen an die Sozialregionen weiter, diese treffen Abklärungen und liefern der KESB Empfehlungen, welche wiederum von der KESB bewilligt werden oder auch nicht.

Dass dabei verschiedene «Kulturen» der eher akademischen KESB und der eher pragmatisch geprägten Sozialregionen aufeinandertreffen, macht die Sache nicht einfacher. Die Verfahren sind zwar professioneller aber auch komplizierter und langfädiger geworden. Allein bei der KESB Region Solothurn stapeln sich dem Vernehmen nach 1‘000 Pendenzen.

Der Aargau machts nicht besser

Bei aller Kritik hält der Gemeindeverband dem Kanton auch zu Gute, dass die Einführung neuer Strukturen immer Zeit braucht. «Auch andere Kantone tun sich mit der Umsetzung des neuen Kindes- und Erwachsenenschutzgesetzes schwer», sagt Geschäftsführer Thomas Blum.

Im Kanton Aargau beispielsweise sind die Familiengerichte mit der Umsetzung betraut und auch dort stapeln sich die Pendenzen. Erst kürzlich wurde wieder eine Aufstockung des Personals gefordert.

Neben den Pendenzen und den Kommunikationsproblemen zeigen sich die Schwierigkeiten der Solothurner KESB jedoch auch in einer «überdurchschnittlichen Fluktuation von Kadermitarbeitern», wie Thomas Blum erklärt. Wie weit dies allenfalls auf ein Führungsproblem bei den einzelnen Standorten der Behörde zurückzuführen ist, will Blum nicht kommentieren: «Personalentscheide sind Sache des Kantons», sagt er.