Solothurner Kritik an der Fachhochschule Nordwestschweiz

Eigentlich ist der Solothurner Kantonsrat mit der Fachhochschule Nordwestschweiz zufrieden. Den Jahresbericht 2012 hat er am Mittwoch jedenfalls einstimmig abgesegnet. Das Parlament macht sich allerdings Sorgen, wie sich die Fachhochschule entwickelt. Insbesondere im Bereich Forschung.

Moderne Glas- und Betongebäude in Olten an einer Strasse, in der Fassade spiegelt sich die Strasse.

Bildlegende: «Benimmt sich wie eine Universität»: Die Fachhochschule Nordwestschweiz (im Bild der Campus Olten) steht in der Kritik. SRF

Die Fachhochschule Nordwestschweiz wird von den Kantonen Solothurn, Aargau, Basel-Landschaft und Basel-Stadt getragen. 2012 hatte sie die Zahl der Studierenden um 6 Prozent steigern können, und einen Gewinn von 10 Millionen Franken erzielt. Das sei alles recht erfreulich, stellte der Solothurner Kantonsrat am Mittwoch fest.

Was die Zukunft der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) angeht, macht sich der Solothurner Kantonsrat indes Sorgen. Mathias Stricker (SP) fragte beispielsweise: «Kann sich der Kanton das Wachstum der Fachhochschule überhaupt leisten? Die FHNW ist ein Riese geworden, wird sie plötzlich ein ungebremster Selbstläufer?».

Überdimensionierte Forschung?

Ein Dorn im Auge ist vielen Kantonsräten der Bereich Forschung. Die Forschung sei «überdimensioniert», es würden ständig neue Professuren geschaffen, das Verhältnis Dozenten-Studierende verschiebe sich immer mehr auf die Seite der Dozenten.

Der Präsident der Bildungskommission, Urs von Lerber (SP) nahm die Fachhochschule in Schutz. Nur ein Fünftel des Budgets werde für die Forschung ausgegeben. Auch Felix Wettstein (Grüne) wehrte sich für die FHNW, an der er selber als Dozent unterrichtet: Der Forschungsanteil habe zwar namhaft gesteigert werden können, sei aber im Vergleich mit anderen immer noch tief.

Kantonsräte erwarten von der FHNW einen Spar-Beitrag

Die Forschung sei gar nicht die Kernaufgabe der Fachhochschule, diese solle sich nicht so wichtig nehmen, entgegnete Thomas Eberhard (SVP). Und Kuno Tschumi (FDP) kritisierte, dass man als Geldgeber gar nicht wisse, woran die Fachhochschule eigentlich forsche: «Wir haben immer das Gefühl, es würden in einem Weiher, der uns gehört, Fische gezüchtet, die wir später füttern müssen».

Angesichts der angespannten Finanzlage des Kantons Solothurn und der sich abzeichnenden Einsparungen machten Kantonsräte von links bis rechts klar, dass sie auch von der Fachhochschule einen Spar-Beitrag erwarten.

Eine Ausgabensteigerung in den Verhandlungen zum neuen Leistungsauftrag der FHNW könne nicht akzeptiert werden, sagte etwa Hubert Bläsi im Namen der FDP. «Erst recht nicht, wenn sich Dozenten dort ihr eigenes Gärtlein aufbauen», doppelte Kantonsrat René Steiner (EVP) nach.

Die FHNW

Die Fachhochschule Nordwestschweiz ist 2006 aus der Fusion der Fachhochschulen Solothurn, Aargau und Basel hervorgegangen. Sie unterrichtet an neun Standorten 9‘400 Studierende. Die Angebote reichen von Musik bis Psychologie, und von Architektur bis Wirtschaft.