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Aargau Solothurn Solothurner läuten 19 Minuten gegen die Kälte

Vom 3. bis 15. Mai läuten an der St. Ursenkathedrale alle Glocken zusammen, täglich von 19.00 bis 19.19 Uhr. Dieser Brauch, das «Über den Reif läuten», soll Frost und Reif an den Eisheiligen fernhalten. Stadtpfarrer und Domsakristan erzählen von diesem abergläubische Brauch.

Legende: Video Solothurner läuten 19 Minuten gegen die Kälte abspielen. Laufzeit 05:11 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 14.05.2013.

«Als ich als Pfarrer nach Solothurn kam, war ich schon etwas verwundert über diesen Brauch», erklärt Paul Rutz, Stadtpfarrer der katholischen Kirche in der St. Ursenkathedrale in Solothurn. Denn das 19-minütige Geläut hat seinen Ursprung in der Landwirtschaft und nicht in der katholischen Kirche.

Als ich als Pfarrer nach Solothurn kam, war ich schon etwas verwundert über diesen Brauch
Autor: Paul RutzStadtpfarrer der katholischen Kirche in der St. Ursenkathedrale

Um die Eisheiligen zu besänftigen, welche vom 11. bis am 15. Mai dauern, läuten alle elf Glocken der St. Ursenkathedrale gleichzeitig. Dieser Brauch nennt sich «Über den Reif läuten». Und dieses Glockengeläute dauert genau 19 Minuten. «Ich habe so einen Brauch eigentlich eher in einem Dorf oder in einer ländlichen Gegend erwartet, aber nicht in der Stadt Solothurn. Und erst recht nicht in der Stadtkirche.»

Aberglaube und Glaube

Mittlerweile gefällt Paul Rutz dieser Brauch, und auch das Glockengeläut findet er schön. Dass die Glocken der Kathedrale nicht für einen kirchlichen Anlass läuten, stört ihn nicht. Auch die Tatsache, dass die Kirche hier im Zusammenhang mit einem Aberglauben die Glocken läuten lässt, sei nichts Schlimmes. «Aberglauben und Glauben liegen ja auch nahe beieinander.»
Damit alle elf Glocken gleichzeitig läuten können, dafür brauchte es früher elf starke Männer, die an den Seilen zogen. Heute reicht der Knopfdruck mit einem Finger. Domsakristan Bruno Emmenegger kann heute jede einzelne Glocke auf seinem portablen Computer bequem von zu Hause aus steuern. Dazu braucht er nur Internetempfang.

Computergesteuerte und handbetriebene Glocken

«Viele Glockengeläute sind heutzutage zudem bereits gespeichert in einem Programm und werden von alleine abgespielt», erklärt der Domsakristan. Und doch muss Emmenegger noch einmal am Tag an einem Seil ziehen, um Glocken erklingen zu lassen. «In der Jesuitenkirche, welche zur katholischen Kirchgemeinde gehört, funktionieren alle drei Glocken immer noch im Handbetrieb.» So komme er doch nicht ganz aus der Übung, erklärt der Sakristan.
Das lange Glockengeläut hat früher hie und da zu Reklamationen geführt. Anwohner der Kirche oder Gäste des nahe gelegenen Restaurants Krone haben sich früher einmal beschwert. Mittlerweile gebe es aber mehr positive Reaktionen als negative, resümiert Domsakristan Bruno Emmenegger. «Man muss aber auch sagen, dass wir heute weniger häufig die Glocken läuten lassen als noch vor zehn Jahren.»
Was dieses intensive Läuten im Kampf gegen den Frost und den Reif wirklich bringt, ist ungewiss. Und auch Stadtpfarrer Paul Rutz ist skeptisch. Aber: «Ich habe das Vertrauen, dass wir beschützt werden. Aber ich glaube nicht, dass Gott unmittelbar eingreift und auf die Bremse tritt, damit der Reif nicht kommt.»
Noch bis am 15. Mai läuten die Glocken jeweils von 19.00 bis 19.19 Uhr. Dann verabschiedet sich mit Sophie die letzte der fünf Eisheiligen. Zumindest für dieses Jahr.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    DAS wirkt 100%!!! Ich habe heute, lange bevor ich diesen Artikel zu Gesicht bekam, meine Kuhglocke gelaeutet... und ob ihr es glaubt oder nicht, Tatsache ist, mir wurde ganz warm ums Herz... also wohlan und laeutet was das Zeugs haelt! Franz NANNI zZ Suedafrika
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  • Kommentar von Hans Klein, Bern
    Und so ein lächerlicher (Aber-) Glaube* rechtfertigt die Belästigung der Mitmenschen für insgesamt fast 4 Stunden (!!) mit Dauerlärm? … nicht zu fassen. Hoffentlich kommt die Aufklärung in diesem Jahrhundert noch bis Solothurn … und natürlich in alle Ortschaften, in denen es ähnlichen Humbug noch gibt. * Karlheinz Deschner (sinngemäss): "Der grösste Aberglaube ist, dass der Glaube selbst keiner sei."
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    1. Antwort von Ernst Koch, Baden
      Aberglaube oder nicht - Letzlich spielt einfach eine liebgewordene tradition eine Rolle. Vielleicht wissen nicht mal die Solothurner selbst, was es mit dem 19-minütigen Geläute auf sich hat.Und solche Traditionen überduern Generationen - beacchtlich, inusnerer so aufgeklärten Gesellschaft. Interessant, nicht?
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    2. Antwort von Michael Hunziker, 4456 Tenniken
      Schon etwas kleingeistig; Herr Klein !?
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