Solothurner Wagabunte gehen nicht auf Ultimatum ein

Die bereits angespannte Situation zwischen den Solothurner Wagabunten und der Stadt spitzt sich zu: Nachdem Stadtpräsident Kurt Fluri den Bewohnern der Siedlung ein Ultimatum gestellt hat, gehen diese nicht darauf ein. Sie wollen bleiben und sind offen für weitere, neue Bewohner.

Wagenburg mit sieben farbigen, besprayten Wohnwagen.

Bildlegende: Bis am 11. April möchte die Stadt Solothurn die Wagabunten an der Oberhofstrasse weg haben. Marco Jaggi/SRF

Das ehemals gute Einvernehmen zwischen den sogenannten Wagabunten und der Stadt Solothurn wird immer mehr zum Konflikt: Die sieben Bewohner der Wagenburg wollen nicht wegziehen und stattdessen den jetzigen Platz besetzen. Das erklären sie in einer Medienmitteilung am Donnerstagmorgen.

Friedlicher Start im Herbst

Rückblick: Seit Herbst 2013 leben in Solothurn mehrere Personen in einer Siedlung aus alten Bauwagen. Die «alternative Wohngruppe» zieht innerhalb der Stadt umher – bis anhin mit dem Wohlwollen der Stadt: Im Sommer sind sie jeweils an der Oberhofstrasse im Westen der Stadt, im Winter auf dem Parkplatz des Freibads. Soweit so gut.

Jeweils im Frühling müssen die Wagabunten jedoch für einige Tage den Winterplatz räumen, weil die Parkplätze für die Eigenheimmesse gebraucht wird. Danach können sie zurück. Doch dieses Mal weigerten sie sich und erklärten, sie würden nun selber entscheiden über Ort und Grösse der Siedlung.

Situation spitzt sich zu

Stadtpräsident Kurt Fluri reagierte mit einem Ultimatum: Bis am 11. April müssen die Wagabunten umziehen. Und zwar nicht auf den eigentlich abgemachten Platz, sie werden «zum Verlassen des öffentlichen Raums (...) aufgefordert», heisst es. Sonst würden rechtliche Schritte eingeleitet. Darauf gehen die Bewohner nicht ein.

In der Medienmitteilung vom Donnerstag werden mehrere Gründe aufgeführt, warum die Wagabunten nicht mehr von einem Ort zum anderen ziehen wollen:

  • Das Auf- und Abbauen der Wagenburg brauche viel Zeit
  • Eine definitive Lösung fehle nach wie vor
  • Die Stadt Solothurn trete jetzt «aggressiv» auf

Was den Auf- und Abbau betrifft, sei dies nicht so einfach, da man tagsüber ganz normal arbeite, so die Wagabunten. Und innerhalb einer Woche – wegen der Eigenheimmesse – gleich zwei Mal umzuziehen, sei nicht möglich.

Man habe die jüngste Konfrontation in Kauf genommen, um etwas zu bewegen und ein Gespräch zu erreichen, so die Wagabunten. Nach wie vor gebe es in Solothurn keinen Platz für einen Freiraum wie die Wagenburg. Und weil man mit Reden nicht weitergekommen sei, besetze man nun den aktuellen Platz an der Oberhofstrasse.

Wagabunte: nicht «Gratiscampingplatz der Schweiz»

Die Wagabunten bestätigen übrigens einen weiteren Vorwurf des Stadtpräsidenten: Die Gemeinschaft ist von fünf auf sieben Personen gewachsen. Man sei offen für neue Bewohner. Aber: Die Wagabunten wollen nicht «zum Gratiscampingplatz der Schweiz» werden, heisst es in der Mitteilung.

Wenn jemand hinzustossen will, werde dies basisdemokratisch entschieden - wie alles bei den Wagabunten. Man habe übrigens nie mit der Stadt abgemacht, wie viele Personen im Wagendorf leben dürfen.

Die Bewohner schreiben weiter, dass sie «eigentlich das gute Verhältnis mit Stadt» weiterführen wollen und auf eine friedliche Lösung hoffen. Aber man werde auch nicht tatenlos zusehen, wie Herr Fluri «unser Zuhause diktiert».