Sondermülldeponie Kölliken ist wieder leer

Der Rückbau der Sondermülldeponie Kölliken (SMDK) im Kanton Aargau ist vollendet. Damit hat die Schweiz ihre grösste Altlast beseitigt. Tausende Tonnen Sondermüll wurden in acht Jahren ausgebaggert und entsorgt. Die Sanierung der Altlast kostet knapp 900 Millionen Franken.

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Sondermülldeponie ist leergeräumt

7:34 min, aus Schweiz aktuell vom 25.6.2015

Mit dem Status «Grube leer» sei die Gesamtsanierung der Deponie einen entscheidenden Schritt weiter gekommen, sagte SMDK-Geschäftsführer Benjamin Müller am Donnerstag vor den Medien in Kölliken. Der Rückbau und die Entsorgung der Sonderabfälle seien termin- und kostengerecht abgeschlossen.

Mehr als 600'000 Tonnen Material wurden rückgebaut – rund 25'000 Tonnen mehr als vorgesehen. Beim Material handelte es sich um Giftmüll, Abfall, Deckschichten und Fels. Mit dem Rückbau war im Herbst 2007 begonnen worden.

Der Sondermüll, dessen Zusammensetzung teilweise unbekannt war, wurde unter erhöhten Sicherheitsbedingungen abgebaut. In drei Hallen über dem Gelände der Deponie herrschte Unterdruck und die Abluft wurde permanent überwacht. In einem Labor wurde der Giftmüll und der Inhalt der Fässer analysiert.

Jeden Tag 460 Tonnen vergiftetes Material abtransportiert

Erst nach diesen Arbeiten wurde das Material abtransportiert und in eine Recyclinganlage in Oberglatt ZH gebracht. Die hochgiftigen Abfälle wurden in Verbrennungsöfen in Deutschland und den Niederlanden entsorgt.

An rund 1300 Arbeitstagen seien jeden Tag über 460 Tonnen belastetes Material abtransportiert worden, hielt Müller fest. 85 Prozent seien per Bahn weggeführt worden. Verlad, Transport, Entsorgung und Verbleib der Abfälle seien lückenlos überwacht und dokumentiert worden.

Das rückgebaute Material habe keine Überraschung geboten, betonte Müller. Während der Betriebszeit von sieben Jahren waren bis 1985 rund 475'000 Tonnen Sonderabfälle in Fässern, Säcken und lose abgelagert worden.

Kantone Aargau und Zürich bezahlen

Die Sanierungs- und Rückbauarbeiten müssen vor allem die Steuerzahler der Kantone Aargau und Zürich finanzieren. Die Kantone sind zu je 41,6 Prozent am 1976 gegründeten SMDK-Betriebskonsortium beteiligt. Mit je 8,3 Prozent partizipieren ferner die Stadt Zürich und die Basler Chemie.

Auch wenn der Sondermüll weg ist, sind die Arbeiten noch lange nicht abgeschlossen. Die riesige, weisse Deponiehalle nahe der Autobahn A1 soll ab Anfang 2018 abgebrochen werden. Auch müssen der Untergrund und das Grundwasser weiter beobachtet werden.

«Kölliken» führte zu einem Umdenken

Die Gesamtsanierung sei eine nachhaltige Lösung und eine Investition in die Zukunft, sagte der Aargauer Baudirektor Stephan Attiger vor den Medien. Die Sanierung lohne sich langfristig – nicht nur finanziell, sondern auch ökologisch und gesellschaftlich. Das Areal könne den kommenden Generationen mit gutem Gewissen übergeben werden.

Der Zürcher Baudirektor Markus Kägi wies darauf hin, dass die Deponie in den 1970er Jahren für einen grossen Fortschritt gestanden sei. Die Schliessung von 1985 habe in der Schweiz zu einer radikalen Umkehr in der Abfallwirtschaft geführt. Man habe einen Lernprozess hinter sich.

Umweltprobleme und Bürgerproteste

Nach Bürgerprotesten und massiven Umweltproblemen hatte der Gemeinderat Kölliken die Deponie 1985 gegen den Willen der Aargauer Kantonsbehörden geschlossen. Neben der mangelnden Erfahrung von Behörden und Umweltfachleuten führte vor allem der Umstand zum Skandal, dass der Kanton Aargau zugleich Deponiebetreiber und oberste Kontrollbehörde war.

Das SMDK-Konsortium konnte die Millionenkosten für die Sanierung nicht abwälzen. Es musste wegen eines Beweisnotstandes auf rechtliche Schritte gegen die Lieferanten aus der Schweiz und Deutschland verzichten. Die Aargauer Staatsanwaltschaft stellte 1988 ein Verfahren gegen Unbekannt ein.

Hohe Kosten

Die gesamten Kosten für die Beseitigung der Altlast werden sich letztlich auf knapp 900 Millionen Franken belaufen – mehr als anfänglich budgetiert. Die Sicherung der Deponie kostete 130 Millionen Franken, der Rückbau 741 Millionen Franken und für die Nachsorge sind 30 Millionen Franken eingeplant. Der Bund steuert 215 Millionen Franken bei.