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Umstrittener Gestaltungsplan Spezieller Streit um spezielle Bäume in Winznau

In Winznau streiten sich Quartierbewohner und Gemeinde über Bäume im Gebiet Moosacker. Es geht dabei um Laub und Schatten, aber auch um Gerechtigkeit.

Darum geht es: Im Moosacker-Quartier in Winznau stehen diverse Spitz-Ahorne. Diese Bäume gehören der Gemeinde, obwohl sie auf privatem Land gepflanzt sind. Die Bäume sind vorgeschrieben im Gestaltungsplan, sie sollen das Quartier aufwerten. Einige Anwohner aber stören sich an den schnell wachsenden Laub- und Schattenspendern.

Das ist das Problem: Im Gestaltungsplan von 2005 ist klar geregelt, wo wie viele Bäume stehen müssen. Die Bäume sollten Alleen bilden bei Fusswegen und die Quartierstrassen optisch verengen, als Beitrag zur Verkehrssicherheit.

Dieser Plan wurde von den zuständigen Stellen aber nicht konsequent durchgesetzt. Es gab Bauherren und Architekten, welche die Bäume in ihrer Planung übergangen oder sogar bereits gepflanzte Bäume wieder ausgerissen haben.

«Es sind Fehler passiert», gibt Gemeindepräsident Daniel Gubler denn auch unumwunden zu. Diese Fehler könne man aber leider nicht mehr rückgängig machen. «Es wäre nicht verhältnismässig, wenn wir nun diese Leute zwingen, dass sie einen Baum pflanzen müssen direkt vor ihrer Garage oder mitten in der Hauseinfahrt.»

Das will die Gemeinde: Die Gemeinde hat den Anwohnern kommuniziert, ab sofort werde der Gestaltungsplan konsequent durchgesetzt. Das heisst konkret:

  • Wer im Moosacker ein neues Haus baut (es gibt noch freie Baufelder), muss die Bäume gemäss Gestaltungsplan von der Gemeinde pflanzen lassen auf seinem Grundstück.
  • Wer ein bestehendes Grundstück mit Bäumen hat, muss diese Pflanzen weiterhin auf seinem Areal dulden.
  • Wer sich in der Vergangenheit der Regelung widersetzt hat, muss nachträglich keine Änderungen mehr vornehmen – diese Hausbesitzer kommen quasi «mit einem blauen Auge davon».

Das stört die Anwohner: Hausbesitzer Rolf Keiser fühlt sich von der Gemeinde ungerecht behandelt. Auf seinem Grundstück stehen vier Bäume, sie säumen einen Spazierweg. Keiser erwartet von der Gemeinde, dass sie Rechtsgleichheit herstellt. Also auch in seinem Fall den Gestaltungsplan eben nicht durchsetzt.

«Bisher bin ich auf überhaupt kein Verständnis gestossen», beklagt sich der Anwohner. Ihn stört das viele Laub der Bäume. «Das macht sehr viel Arbeit.» Gleichzeitig versichert er aber: «Im Moment haben wir Vogelhäuschen auf den Bäumen. Ich würde sie also nicht sofort fällen, auch wenn ich es dürfte.»

Wie geht es weiter? Der Streit ist noch nicht beigelegt. Die Gemeinde und der Anwohner glauben beide, sie hätten das Recht auf ihrer Seite. Immerhin betonen beide Seiten auf Anfrage, man sei an einer konstruktiven Lösung interessiert.

Klar ist: Erst die Fehler aus der Vergangenheit haben zu diesem Baumstreit geführt. Recht ist nur gerecht, wenn man es auch für alle durchsetzt. Das ist beim Gestaltungsplan Moosacker in Winznau über Jahre nicht geschehen.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Fritz Frei (Fritz Frei)
    «Es wäre nicht verhältnismässig, wenn wir nun diese Leute zwingen, dass sie einen Baum pflanzen müssen direkt vor ihrer Garage oder mitten in der Hauseinfahrt.» --- Dümmeres habe ich noch selten gehört oder gelesen. Wenn Bäume vorgeschrieben sind und Architekten gegen diese Vorschrift handelten, müssen die Architekten den verlangten Zustand wiederherstellen und allfällige "Unzumutbarkeiten" selbst finanziell tragen.
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    1. Antwort von M. Keller (MK)
      @Frei - ich kenne einige Fälle aus Gemeinden, bei denen durch Architekten Änderungen in der Ausführung, zugunsten des Bauherrn und gegen die jeweilige Bauverordnung, veranlasst hat. Dies wurde jeweils erst später, teils durch die neuen Nachbarn, erkannt/bemerkt. Und obwohl es augenscheinlich und offensichtlich ist, will niemand mehr etwas davon wissen. Meinen Sie denn, das ein Bauverwalter oder ein Architekt dies einfach zugibt? Dann glauben Sie wohl auch noch an den Storch und den Osterhasen.
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