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Aargau Solothurn Teure Einzelfälle belasten die Sozialregion Olten

Viele Gemeinden ächzen unter den hohen und steigenden Kosten für Sozialfälle. In einer Antwort auf einen Vorstoss aus dem Stadtparlament Olten legt der Stadtrat nun neue Zahlen vor. Sie zeigen, dass die Platzierung und Betreuung von Jugendlichen sehr teuer werden kann.

Kind und Mutter
Legende: Alleinerziehende Eltern landen besonders häufig in der Sozialhilfe. Müssen Kinder fremdplatziert werden, steigen die Kosten dramatisch an. Keystone

In seiner Interpellation wollte Matthias Borner (SVP) wissen, wie sich die Kosten in der Sozialregion Olten in den letzten Jahren entwickelt haben. Bekannt ist, dass sie in den letzten Jahren zugenommen haben. Von 21 Millionen (2009) auf 32 Millionen (2013). In diesen Zahlen sind die Rückerstattungen nicht enthalten, es sind die Bruttokosten. Die Rückerstattungen betragen jeweils etwa einen Viertel der Bruttokosten.

Der Stadtrat schlüsselt die Zahlen nun detailliert auf. Von den 32 Millionen im Jahr 2013 entfallen 10 Mio. auf den so genannten Grundbedarf der Sozialhilfebezüger. 7.5 Millionen gibt der Staat für Mietkosten aus. und für Medizin und Übriges rund 6.5 Millionen Franken.

Heisses Eisen Fremdplatzierungen

Ins Auge sticht der Posten «Fremdplatzierung, Stationär». Im Jahr 2013 betrug er in der Sozialregion Olten 8 Millionen Franken, er machte also einen Viertel der gesamten Kosten aus. Auffällig: Die Kosten für Fremdplatzierungen sind in den letzten Jahren stark gestiegen, sie machen einen immer grösseren Teil der gesamten Sozialhilfekosten aus.

Das zeigt sich auch in Einzelfällen. Der Stadtrat wurde aufgefordert, die drei teuersten Dossiers im Jahr 2013 mit der dazugehörigen Kostenaufteilung aufzulisten.

Der teuerste Fall ist ein Kind mit Jahrgang 1996, das in einer Stiftung für Behinderte und in einem Schulheim untergebracht war. Diese Fremdplatzierung kostete die Sozialregion 260'000 Franken.

Ebenfalls viel Geld, nämlich, 178'000 Franken, kostete eine Frau mit 3 Kindern. Zwei der Kinder waren im Jahr 2013 fremdplatziert, allein diese Platzierung verschlang 140'000 Franken. Diese Massnahme wurde durch die Kinder- und Erwachsenen-Schutzbehörde (Kesb) verfügt.

Und noch einen weiteren Fall legt der Stadtrat von Olten detailliert dar. Es handelt sich um ein Kind mit Jahrgang 1999, das in einem Internat untergebracht wurde. Kosten für diese ebenfalls von der Kesb verfügte Fremdplatzierung: 170'000 Franken.

Tarife sind fix

«Heimplatzierungen sind in der Regel dringend, Plätze sind ein knappes Gut, es bestehen Wartelisten. Ist ein Platz vorhanden, muss eine Zusage rasch erfolgen», erläutert der Stadtrat das Prozedere bei den Fremdplatzierungen.

Und seine Antwort auf die Frage, ob die Sozialregion Offerten einhole: «Da die Kosten der Anbieter jeweils im Voraus bekannt sind (Tarife) und diese einer kantonalen Aufsicht unterstehen, werden keine Offerten eingeholt.»

Sozialregion Olten

Die Sozialregion Olten besteht aus der Stadt Olten, Hauenstein-Ifenthal, Trimbach, Winznau und Wisen. Im Jahr 2013 führte die Sozialregion Olten 1966 Fälle. Die Sozialregion ist unterteilt in das Amt für Kindes und Erwachsenenschutz, das Sozialamt und die Sozialadministration (inklusive AHV-Zweigstelle).

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Max Müller, Wangen
    Solange man nur die Kosten kennt, sind die Gründe für eine Platzierungen schwer nachzuvollziehen. Da müsste man schon auch die Hintergründe kennen, alles andere ist reine Spekulation.
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  • Kommentar von Rolf Michel, 1723 Marly
    Mittlerweile ist auch die Fremdplatzierung zu einem guten Geschäft geworden - die Allgemeinheit bezahlt diese Kosten, wenn nicht, geht man nach Strassburg (siehe Sondersetting Carlos/Zürich). Das entwickelt sich im Grunde genommen ähnlich, wie die Schlepperei von Nordafrika nach Europa- die Politik ist hier völlig überfordert und Besserung (sprich strikte Kostenkontrolle) ist nicht in Sicht.
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    1. Antwort von E.Vogler, Zürich
      Wen ich den Beitrag richtig gelesen habe,dann ist schon wieder die KESP mit im Spiel.Wann endlich wird hier näher hingeschaut und darauf hingewiesen dass mit fremdem Geld nicht so verantwortungslos umgegangen werden darf.Diese horrenden Kosten müssen von Jemandem bezahlt werden und wer ist das der dumme Steuerzahler der oft mühsam seinen Lohn verdienen muss. UNFAIR
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    2. Antwort von Rolf Bolliger, Orpund
      Ja, Herr Vogler, auch in der "Sozial"-Region Olten hat die KESP sich nicht richtig informiert, nichts hinterfragt und nach günstigeren Möglichkeiten nachgeschaut. Einfach nach den allgemein gültigen KESP Richtlinien Steuergelder verteilen, die sich im Nachhinein ausserhalb "von gut und bös" zu Buche schlagen! Es sind jene, die konservative Familien ständig als "überholt" kritisieren und dafür Alleinerziehende, gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften und Fremdbetreuungen als "in" vergöttern!
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  • Kommentar von Hans König, Häusernmoos
    Warum müssen gesunde Kinder fremdplatziert werden? Es gibt sehr viele Familien mit einem Kind, welches sie zuhause haben - Netto-Einkommen der Familie < Fr. 50'000.-. Grundsätzlich gibt es zu jedem Kind einen Vater und eine Mutter, welche für das gemeinsame Kind aufkommen sollten. Ist dies nicht möglich, werden beide Eltern auf das Minimum gesetzt. Ein Kind kann auch in eine normale Familie platziert werden, dass kostet viel weniger und bringt dieser Familie noch ein willkommenes Einkommen.
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