Tradition der Möbel- und Holzindustrie im Zurzibiet geht weiter

Wer Sofa und Sessel herstellt, die schnell einmal 10'000 Franken und mehr kosten, muss dem Kunden etwas bieten. Die Firma Intertime aus Endingen versucht es, und ist seit 50 Jahren erfolgreich. Hightech und Handarbeit gehören hier zur Möbeltradition im Zurzibiet und sollen es auch bleiben.

«  Man muss sich auch immer wieder neu behaupten. »

Johannes Weibel
Mitinhaber Intertime Endingen

Die Möbel- und Holzindustrie war bis vor wenigen Jahren das Rückgrat der Wirtschaft im Zurzibiet. Heute gilt diese Region als strukturschwach, fast alle der früher bekanten Möbelfirmen sind verschwunden.

Im April 2015 musste zum Beispiel die Büromöbelfirma ZKD die Bilanz deponieren. Die starke Konkurrenz aus dem Euroraum sei einer der Gründe für die Schliessung, teilte die Firma damals mit.

Handwerk und Computer

Diesen Konkurrenzdruck spürt natürlich auch die Firma Intertime aus Endingen. Aber von Schliessung spricht hier niemand. «Es läuft gut», sagt Mitinhaber Johannes Weibel. «Aber man muss sich auch immer wieder neu behaupten.»

Was das heisst, sieht man auf einem Rundgang durch die Firma. Hightech-Maschinen stehen hier gleich neben Nähtischen, an denen Mitarbeiterinnen von Hand Lederteile zu ganzen Bezügen zusammennähen.

Hightech kommt bei der Kontrolle des Leders ins Spiel. Intertime hat eine in der Schweiz einmalige Maschine, einen Leder-Scanner. Eine Spezialistin tastet das eingekaufte Leder mit einer Lupe ab. Der Computer erkennt Schwachstellen im Leder und teilt es in A-, B- und C-Zonen ein. Nur die besten Stücke werden für die sichtbaren Teile der Möbel verwendet.

Auch für den Zuschnitt des Leders setzt die Firma auf modernste Technik. Ein Roboter schneidet die Lederstücke extrem genau zu. Er tut es mit einem extrem feinen, aber starken Wasserstrahl.

Aargauer Tradition pflegen

Mitinhaber von Intertime ist Lukas Weibel. Er ist für das Betriebliche zuständig. Sein Bruder Johannes ist der Designchef. Sie haben die Firma von ihrem Vater und Gründer Hans Weibel übernommen. Sein Vater habe immer davon geträum, in Endingen eine Firma zu haben. Mit Intertime sei ihm das gelungen.

Und seine Söhne und Nachfolger wollen weiterhin Erfolg haben. Sie sehen sich dem Handwerk und der Geschichte des Zurzibiets verpflichtet. Lukas Weibel: «Vor 20 Jahren gab es hier viele Möbel- und Holzfabriken. Jetzt sind die meisten verschwunden. Aber wir wollen die Tradition aufrechterhalten.»

Intertime: Zahlen und Fakten

  • 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
  • Umsatz: ca. 15 Millionen Franken
  • Pro Jahr ca. 5500 Bestellungen, das entspricht 12'000 Sitzeinheiten
  • Absatz: 80 Prozent der Produktion wird in der Schweiz verkauft
  • Material: Praktisch alles aus dem Ausland, da in der Schweiz keine Zulieferindustrie mehr besteht