Ungewöhnliche Baumfäll-Aktion zum Schutz des Aare-Damms

Was aussieht wie ein Vandalenakt ist in Tat und Wahrheit eine offizielle Baumfäll-Aktion: Akazien müssen auf diese Art gefällt werden, damit sie nicht erst recht spriessen. Nötig ist diese Aktion unter anderem zum Schutz des Aare-Damms.

Wer in diesen Tag bei Rohr entlang der Aare spaziert, der stösst auf merkwürdige Baumverunstaltungen: bei mehreren Bäumen wurde mit einer Motorsäge gezielt Rinde entfernt, die Bäume haben regelrechte Ringe erhalten. Man könnte meinen, Vandalen hätten gewütet.

Keine Vandalenaktion

Was merkwürdig aussieht, ist vom Förster gezielt gemacht worden und hat einen ganz bestimmten Zweck. Bei den Bäumen handelt es sich um Akazien. Bäume, die in der Schweiz gut gedeihen, aber ursprünglich nicht hierher gehören. Es sind gebietsfremde Pflanzen, die eingeschleppt wurden. Im Fachjargon werden sie Neophyten genannt.

Diese Bäume lassen sich nicht einfach loswerden, indem man sie umsägt. «In diesem Falle würde die Akazie nur noch mehr ausschlagen und in der Folge würden umso mehr Akazienbäume wachsen», erklärt Bruno Schelbert. Er ist Programmleiter des Auenschutzparkes Aargau. Die Akazien stehen in einem Auenschutzgebiet, und dieses gehört zum Kraftwerk Rupperswil-Auenstein.

Um die Akazien sinnvoll zu entfernen, müssen sie «geringelt werden», wie der Fachmann erklärt. «Man sägt diese breiten Ringe ins Holz und entfernt die Rinde», erklärt Schelbert. Innerhalb eines Jahres stirbt der Baum und kann nun ohne Folgen umgesägt werden.

Aare-Damm vor tiefen Wurzeln schützen

Gründe für diese Aktion gibt es mehrere: Erstens müssen Bäume, die einen dickeren Stamm als 30 Zentimeter haben, auf einem Aare-Damm umgesägt werden. «Ansonsten können die Wurzeln die Betonplatten im Damm beschädigen», erklärt Revierförster Max Senn gegenüber dem Regionaljournal Aargau Solothurn.

Zweitens ist die Akazie eben eine ortsfremde Pflanze und verdrängte andere. Und drittens soll auf dem Aare-Damm Platz gemacht werden für eine Orchideen-Art, die dort blüht. Es handelt sich um eine Unterart des Knabenkrautes. Die Orchidee trägt viele kleine, violette Blüten.

Viele Reaktionen, aber keine negativen

Die ungewöhnliche Fäll-Aktion sei bereits mehreren Spaziergängern vor Ort aufgefallen, berichtet der Revierförster. Obwohl Schilder über die Aktion informieren, muss Max Senn hie und da nochmals die gleiche Erklärung abliefern. «Negative Bemerkungen hat es aber bisher keine gegeben», erklärt er.

Das Holz kann man übrigens – trotz der ungewöhnlichen Baumfäll-Aktion – nach wie vor brauchen, erklärt Auenschutz-Programmleiter Bruno Schelbert. Denn Akazienholz ist besonders starkes, widerstandsfähiges Holz, ähnlich wie Eiche. Auch in einem Jahr, wenn die Bäume definitiv gefällt werden, sei das Holz noch brauchbar.