Unruhe im (Steuer-)Paradies

Jahrelang sind vor allem Reiche nach Feldbrunnen gezügelt. Mit Folgen. Weil es nur noch wenige Kinder gibt, steht die Dorfschule auf dem Spiel. Sollen also ausgerechnet beim Sportplatz bezahlbare Wohnungen für Familien gebaut werden? Feldbrunnen streitet über seine Zukunft.

Rasen

Bildlegende: Grosser Sportplatz - wenig Kinder. Feldbrunnen denkt darüber nach, hier bezahlbare Wohnungen für Familien zu bauen. Marco Jaggi/SRF

Anita Panzer seufzt tief, als der Journalist um ein Interview bittet. Die Gemeindepräsidentin von Solothurns Steuerparadies Feldbrunnen hat eine schwierige Woche.

Am Dienstag ist ein Gemeinderat aus Protest gegen das räumliche Leitbild zurückgetreten. Und am Donnerstagabend könnte es erneut Proteste geben, wenn just dieses räumliche Leitbild der Bevölkerung vorgestellt wird.

Kinder oder Millionäre?

Es geht um die Zukunft des Dorfs. Es geht um die Frage, ob die rasch und stark gewachsene Gemeinde noch mehr Einwohner verträgt. Und es geht darum, ob Feldbrunnen weiter für Vermögende attraktiv sein soll, oder auch für Familien mit Kindern.

Der Gemeinderat wünscht sich dringend mehr Kinder. Denn die Dorfschule steht auf dem Spiel. Im nächsten Schuljahr müssen Klassen zusammengelegt werden. Gehen die Schülerzahlen weiter zurück, ist die Schule gefährdet.

Das Problem: Im Steuerparadies ist bezahlbarer Wohnraum Mangelware. Der Quadratmeter Land kostet bis zu 1200 Franken. Das können sich viele Familien nicht leisten.

Ausgerechnet der Sportplatz...

Ist die Gemeinde, welche jahrelang Reiche angelockt hat, zum Teil selber schuld, dass ihr jetzt die Kinder fehlen? Gemeindepräsidentin Anita Panzer will dies nicht bejahen: «Wir sind natürlich ein kleines Dorf. Und dass die Schule relativ wenig Kinder hat, ist schon seit Jahren der Fall. Auch als man noch höhere Steuerfüsse hatte».

Um Gegensteuer zu geben, möchte der Gemeinderat gemeindeeigenes Land umzonen und es zu bezahlbaren Preisen an Familien zu verkaufen. Der Haken: Ausgerechnet Land beim Schulhaus soll überbaut werden, dort, wo heute Kinder spielen. Beisst sich da die Katze nicht in den Schwanz?

Gemeindepräsidentin Anita Panzer relativiert. Wenn überhaupt werde nur ein kleiner Teil des Sport- und Spielplatzes umgezont. Und: «Wir haben einen sehr grossen Sportplatz».

Feldbrünneler sind «baumüde»

Dass Anwohner beim Sportplatz nicht erfreut sind über die Umzonungs-Pläne versteht sich. Andere sind indes grundsätzlich dagegen, dass Feldbrunnen gemäss dem räumlichen Leitbild weiter wachsen soll.

«Es ist so: Feldbrunnen ist sehr stark gewachsen in den letzten Jahren. Es ist eine gewisse Baumüdigkeit festzustellen», fasst Gemeindepräsidentin Anita Panzer die Bedenken in der Bevölkerung zusammen. Stillstand sei für eine Gemeinde aber keine Option, Feldbrunnen müsse sich weiterentwickeln, erklärt sie das im Leitbild definierte Ziel von 1200 bis 1300 Einwohnern. Heute sind es knapp 1000.

Welche Zukunft für Feldbrunnen? Am 19. Mai entscheidet die Gemeindeversammlung über das räumliche Leitbild.