Verdingkinder: Gedenkstätte in Mümliswil wird gut besucht

Ein Jahr nach Eröffnung der Gedenkstätte im Kinderheim Mümliswil haben bereits 120 Führungen stattgefunden. Es sind vor allem Schulklassen und Studenten, die sich über das Schicksal der Heim- und Verdingkinder in der Schweiz informieren. Aber auch Betroffene und Angehörige kommen nach Mümliswil.

Gedenkstätte Verdingkinder Mümliswil

Bildlegende: Das ehemalige Kinderheim Mümliswil ist seit Juni 2013 eine nationale Gedenkstätte für Heim- und Verdingkinder. zvg

Die Nationale Gedenkstätte für Heim- und Verdingkinder in Mümliswil hat am Sonntag ihr einjähriges Jubiläum gefeiert. Dazu wurde die Skulptur «Weggeschaut» des Bildhauers Stephan Schmidlin enthüllt.

Im ersten Jahr der Gedenkstätte wurden über 120 Führungen durchgeführt. Maturaschüler, Schulklassen, Betroffene, Psychologiestudenten und zahlreiche Vereine haben die Gelegenheit wahrgenommen, sich in Mümliswil über das Schicksal von Heim- und Verdingkindern in der Schweiz zu informieren.

Viele Schulklassen reisen nach Mümliswil

«Viele Kinder wissen vor dem Besuch bei uns oft gar nicht, was ein Verdingkind ist, oder dass es in der Schweiz bis in die 60er-Jahre Zwangssterilisationen gab», sagt Guido Fluri dem Regionaljournal.

Der Solothurner Guido Fluri ist als uneheliches Kind im Thal aufgewachsen und war selber eine Zeitlang im Kinderheim Mümliswil. Heute ist er Millionär und setzt sich für das Schicksal der Heim- und Verdingkinder ein. Seine Stiftung bietet interessierten Gruppen die Gelegenheit, sich kostenlos im Rahmen von Ausflügen oder Lagerwochen umfassend mit dem Thema zu befassen.

Geburtsort der Wiedergutmachungsinitiative

Das Bedürfnis nach Aufklärung und die Solidarität sei gross, hat Fluri in den letzten Monaten festgestellt. Ihn freut es insbesondere, dass Lehrpersonen den Besuch in Mümliswil fest ins Lehrprogramm aufnehmen. Ein wichtiges Ziel der Stiftung sei damit erreicht.

Die Gedenkstätte in Mümliswil ist auch der emotionale Geburtsort der Wiedergutmachungsinitiative, die im März in Bern lanciert worden ist. Sie fordert einen Fons zugunsten von schwer Betroffenen und eine wissenschaftliche Aufarbeitung. Innerhalb zweier Monate sind bereits über 50'000 Unterschriften gesammelt worden.