Verzicht auf neuen Steinbruch kommt im Aargau gut an

Der Widerstand ist zu gross: Die Jura Cement lässt vorerst die Finger von neuen Steinbrüchen im Aargau. Ein neues Abbaugebiet für Kalk und Mergel sei heute nicht realisierbar. Das Unternehmen will nun einen anderen Weg gehen - zur Freude von Kanton und betroffenen Gemeinden.

Gisliflue

Bildlegende: So hätte die Gisliflue im Jahre 2080 ausgesehen, wenn die Jura Cement Kalk und Mergel abgebaut hätte (Visualisierung). zvg

Die Jura Cement stelle den Antrag, alle heute im Richtplan eingetragenen Abbaugebiete zu streichen, schreibt die Firma in einer Mitteilung. «In ferner Zukunft soll eine offene Neubeurteilung vorgenommen werden», heisst es weiter.

Damit behält Auenstein seinen Hausberg, die Gisliflue, der Berg wird nicht abgebaut. Dasselbe gilt für den Standort Grund in Schinznach. Hanspeter Meyer, Operativer Leiter der Jura Cement, sagt zu diesem Entscheid auf Anfrage: «Wir sind keinen Schritt weiter als vor 15 Jahren, so konnte es nicht weitergehen, deshalb mussten wir eine neue Lösung suchen». Der Widerstand aus der Bevölkerung und den Gemeinden sei zu gross.

Nun kommt Plan B zum Zug

Statt eines neuen Abbaugebietes will die Jura Cement nun den bestehenden Steinbruch Jakobsberg-Egg in den Gemeindegebieten Auenstein und Veltheim erweitern. In den nächsten 30 Jahren sollen auf diese Weise 6 Millionen Kubikmeter Kalkstein gewonnen werden. Die Jura Cement und die Gemeinderäte planen in den nächsten Wochen Gespräche.

Das Problem: Die Erweiterung des bestehenden Steinbruchs ist keine Lösung auf Dauer. «In 30 Jahren müssen wieder bei Null anfangen mit der Suche nach neuen Abbaugebieten». Meyer verneint aber, dass das Problem damit auf die nächste Generation abgeschoben werde.

Cementwerk

Bildlegende: Jura Cement gibt die Suche nach neuen Abbaugebieten für den Moment auf. SRF

Kanton und Gemeinden atmen auf

Auch beim Kanton hat man diesbezüglich keine Bedenken. Man wisse heute nicht, wie die Situation in 30 Jahren sei, sagt Jörg Hartmann, Stellvertretender Leiter Abteilung Raumentwicklung. Es sei zum Beispiel unklar, wie sich der Zementmarkt in der Schweiz entwickle. Deshalb sei es richtig, das Thema der nächsten Generation zu überlassen.

Erleichtert nehmen auch die betroffenen Gemeinden den Entscheid der Jura Cement auf. «Wir hätten den Grund niemals für ein Abbaugebiet hergegeben», sagt Urs Leuthard, Gemeindeammann von Schinznach, gegenüber dem Regionaljournal Aargau Solothurn. Ulrich Salm, Gemeindeammann von Veltheim, fügt hinzu: «Ich habe ein gutes Gefühl, es ist schön, dass die Jura Cement nun die Gemeinden einbinden will».

Steinbruch-Erweiterung wird noch Diskussionen geben

Auch in Auenstein glaubt man an eine Lösung. Gemeinderat Ernst Joho stellt aber klar, dass das genaue Projekt für den Ausbau des Steinbruchs bei Wildegg noch geprüft werden müsse. In gewissen Punkten gebe es noch Differenzen. Diese werde man aber gemeinsam beseitigen können.

Seit 17 Jahren sucht die Jura Cement neue Abbaugebiete für die Zementbestandteile Kalk und Mergel. Im September 2013 hatte die Firma zwei Abbaugebiete präsentiert, die Gisliflue in Auenstein und den Grund in Schinznach-Dorf.