Roland Fürst (CVP, neu): «Was läuft, soll man nicht ändern»

Die Solothurner CVP muss ihre beiden Regierungsräte ersetzen. Einen der Sitze soll Roland Fürst (52) sichern. Fürst ist seit 2006 Direktor der Solothurner Handelskammer, er vertritt den Wirtschaftsflügel seiner Partei und macht sich für eine liberale Marktwirtschaft stark.

Brustbild von Roland Fürst mit Anzug, Krawatte und Brille.

Bildlegende: Roland Fürst soll vom Direktor der Handelskammer zum Regierungsrat aufsteigen, so plant es die CVP Solothurn. zvg

Es ist klar: Als Direktor der Solothurner Handelskammer, eines Verbandes mit über 500 Unternehmen, wäre Roland Fürst prädestiniert, als Regierungsrat das Volkswirtschafts-Departement zu übernehmen. Er gibt im Gespräch auch offen zu, dass ihn dieses Departement reizen würde.

Nur: Esther Gassler von der FDP steht ihm vor der Sonne. Ihre Wahlchancen sind intakt und sie will ihr Departement behalten. Sollte Roland Fürst in die Regierung kommen, hätte er aber einige Wünsche an sie.

Sein grösster Wunsch: Kürzere Verfahren und weniger Bürokratie. Als konkretes Beispiel nennt er im Gespräch mit dem Regionaljournal Aargau Solothurn von Radio SRF die vielen Fragebogen, die Unternehmen von der kantonalen Verwaltung erhalten.

Aslyzentrum Fridau – ja, vielleicht

Offen ist Roland Fürst für alle Departemente. Als Chef des Innendepartements hätte er zum Beispiel das Asylwesen unter sich, ein heisses Eisen. Im Kanton Solothurn ist die ehemalige Klinik Fridau in Egerkingen ein grosses Thema. Sie gehört dem Kanton und dieser will dort ein kantonales Asylzentrum einrichten.

Hier käme Fürst in ein Dilemma: «Der Widerstand in Egerkingen ist gross. Und gegen den Willen des Dorfes kann man das nicht dekretieren.» Die Gesprächsleiter wenden ein, dass man dann nirgends ein Asylzentrum einrichten könnte. Fürst: «Da haben Sie nicht ganz Unrecht.»

Lieber Englisch, aber Franz behalten

Was meint Roland Fürst zu weiteren heissen Eisen im Kanton Solothurn? Frühfranzösisch wird an den Schulen unterrichtet, aber er persönlich hätte lieber Frühenglisch. Aber: «Was läuft, soll man lassen und nicht dauernd ändern.»

Alpiq: Der Stromkonzern ist in grossen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, der Kanton als Kleinaktionär (5 Prozent) muss vielleicht 50 Millionen Franken an eine Aktienkapitalerhöhung beisteuern. Wie stellt sich der Wirtschaftsmann Fürst dazu? «Die Alpiq kann man nicht hängen lassen, schon aus Steuergründen nicht, sie ist der grösste Steuerzahler im Kanton.»

Strahlen trotz Niederlagen

Smartspider von Roland Fürst.

Bildlegende: Das politische Profil von Roland Fürst: Sein Smartspider. smartvote.ch/sotomo.ch

Roland Fürst rechnet sich gute Chance aus, den Sprung in die Regierung zu schaffen. Von 9 Kandiaten, so schätzt er, könnte er den 5. Platz erreichen. Sollte er scheitern, wäre es eine politische Niederlage mehr. Fürst hat schon für den Nationalrat und für den Ständerat kandidiert, immer ohne Erfolg.

Die gute Laune kam ihm deswegen aber nie abhanden. Er verweist auf seine vielen politischen Erfolge, z. B. Wahlen in den Gemeinderat von Gunzgen und zwei Legislaturperioden im Kantonsrat. «Ich habe eine gewisse Lebensfreude, darum strahle ich sehr oft.»

Ruhe findet Roland Fürst bei seinem Hobby, dem Fotografieren. Sujets sieht er überall, zum Beispiel beim Gang über eine Aarebrücke, wenn Enten in der Morgenstimmung auf dem Wasser paddeln.

Zur Person

Roland Fürst (52) lebt mit seiner Familie in Gunzgen. Seit 2006 ist er Direktor der Solothurner Handelskammer, seit 2005 sitzt er für die CVP im Kantonsrat. Zuvor amtete er 14 Jahre lang als Gemeindepräsident von Gunzgen. Roland Fürst hat Biologie und Chemie studiert und sich als Informatiker weitergebildet. Er ist Vater von 2 erwachsenen Töchtern.