Warum jassen Aargauer französisch?

Wer in Aarau aufwächst, spielt im Normallfall mit französischen Jasskarten. In Baden dagegen spielt man mit deutschen Karten. Und dies ist bereits seit Jahrhunderten so.

In einem Restaurant in Koblenz jasst eine Gruppe Senioren. Sie diskutieren über die Fehler, welche im Spiel passieren, und wo man noch ein paar Punkte mehr holen könnte. An diesem Nachmittag spielen Sie alle mit französischen Karten. Das ist aber aussergewöhnlich.

Denn die Senioren stammen aus dem ganzen Kanton Aargau. Vom rechten und vom linken Aareufer. Und normalerweise spielen sie mit unterschiedlichen Karten. Die Ostaargauer jassen mit den deutschen und die Westaargauer mit den französischen Karten.

Fakten zur Jassgrenze:

  • Grenze in der Innerschweiz: Beginn beim Brünig über den Napf bis zur Reuss
  • Grenze im Aargau: Reuss bis nach Brugg danach die Aare bis zum Rhein
  • Die Jassgrenze entstand zur Zeit des Königreichs Burgund im Westen und des Herzogtums Schwaben im Osten vor gut 1000 Jahren

Wie hat die Jassgrenze die Jahrhunderte überlebt? Der Döttinger Josef Zimmermann hat sich mit dieser Frage auseinandergesetzt. Der Hobbyhistoriker erklärt es wie folgt: Die Aare war lange ein unüberwindbares Hindernis. Auch eine Fähre konnte daran nicht viel ändern, weil sie häufig wegen der Hochwasser nicht fahren konnten.

Im Gegensatz zu heute hatten die Gemeinden an den beiden Aareufern also keinen direkten Austausch, und entwickelten sich unterschiedlich. So kam es dazu, so zumindest die Vermutung, dass auf der Westseite der Aare mit französischen und auf der Ostseite mit deutschen Karten gespielt wird.

Erst 1892 wurde im Zurzibiet eine erste Brücke gebaut. Damit konnten die Menschen das ganze Jahr die Aare überqueren. Somit hätten sich auch die deutschen oder französischen Karten auf beiden Seiten ausbreiten können – was bisher aber nicht geschehen ist.