Werden Aargauer Bauern zu Landschafts-Gärtnern?

Seit 2014 gibt es Direktzahlungen für die Landschaftspflege: Medien kritisierten die Zahlungen als nutzlos, Bauern wehrten sich gegen die neuen Aufgaben. Doch nun machen auch im Aargau immer mehr Landwirte mit. Ein Augenschein auf dem Feld und im Büro.

Die Bauern sollen nicht nur ihre Tiere pflegen und Lebensmittel herstellen, sie sollen auch die Landschaft pflegen. Nach diesem Grundsatz wird ein Teil der Direktzahlungen neu als sogenannte «Landschaftsqualitätsbeiträge» vergeben.

Bäume und totes Holz auf der Weide

Als einer der ersten Bauern überhaupt hat der Wettinger Andreas Benz eine Art Vertrag abgeschlossen, um die Landschaft besonders zu pflegen. Benz machte bei einem Pilotprojekt mit. Er hat auf seiner Weide zum Beispiel einzelne Bäume gepflanzt, lässt totes Holz liegen oder das Gras zum Teil stehen. Dafür erhält er zusätzliches Geld.

Diese Zahlungen seien durchaus berechtigt. «Es steckt eine Leistung dahinter», sagt Benz. Bäume wollten gepflegt sein zum Beispiel. Oder: Der Anbau von vielen verschiedenen Getreidesorten sei aufwändiger als wenn man mit Monokulturen arbeite.

Das Anreiz-System funktioniert also bei Benz. Allerdings hat der Bauer auch klare Grenzen. «Ich mache nur bei Massnahmen mit, die für mich im Betrieb Sinn machen.» Das Programm sei ja freiwillig, jeder Bauer müsse und könne selber entscheiden.

Viel Papierkrieg, relativ viel Geld

Auch unter den Bauern sind die neuen Direktzahlungen für die Landschaftspflege sehr umstritten. Viele sehen sich in ihrer unternehmerischen Freiheit eingeschränkt oder zum Landschaftsgärtner degradiert. Trotzdem ist Louis Schneider vom kantonalen Amt für Landwirtschaft zuversichtlich. «Bei den Pilotprojekten machten zwei Drittel der Bauern mit. Damit rechnen wir auch für die künftigen Projekte.»

Ein weiterer Grund für die zaghafte Beteiligung ist das komplizierte Verfahren, welches vom Bund so vorgegeben ist. Der Kanton muss zusammen mit Regionalplanungsverbänden und Bauern für jede Region ein einzelnes Projekt mit massgeschneiderten Massnahmen erarbeiten und dem zuständigen Bundesamt zur Genehmigung vorlegen. Nur dann fliesst das Geld.

Im Aargau hat man einen pragmatischen Weg gewählt. 18 Massnahmen wurden in einem Pilotprojekt erarbeitet und gelten nun für den ganzen Kanton. Die Regionen ergänzen ihre Eingaben mit drei spezifisch regionalen Massnahmen, zum Beispiel mit spezieller Förderung von Weide-Bächen (in der Region Wynental).

Trotz der komplizierten Abläufe sollen bis spätestens 2017 alle Bauern in allen Regionen des Kantons Aargau Landschaftsqualitätsbeiträge geltend machen können. Das ist das erklärte Ziel von Louis Schneider. Und für die Bauern lohnt sich auch der Papierkrieg: Bis zu 360 Franken pro Hektare werden ausbezahlt, allein im Aargau wohl mehrere Millionen ab 2017.

Den Effekt dürften Spaziergänger und Velofahrer in der Landschaft bald wahrnehmen: Wenn noch mehr Mohnblumen neben Weizenfeldern blühen und noch mehr Wiesenstreifen zwischen Ackerkulturen stehen bleiben. Ob sich die grosse Projektarbeit und das viele Geld dafür lohnen, das bleibt wohl auch künftig Ansichtssache.

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Kuriose Subventionen: Bundesgelder für Kuhfladen

6:13 min, aus 10vor10 vom 3.9.2014