Wie akzeptiert fühlen sich Aargauer in St. Gallen?

Die Aargauer in St. Gallen haben einen eigenen Verein. Seit bereits 125 Jahren existiert er. Gegründet haben ihn Arbeitsmigranten aus dem Aargau. Auch heute ist der Verein noch immer ein Stück Heimat für die Exil-Aargauer. Auch weil man hier den eigenen Dialekt pflegen kann.

Drei Personen sitzen auf einer Bühne und sprechen miteinander. In der Hand haben sie ein Mikrofon.

Bildlegende: Elisabeth Boxler und Hansjürg Brack (r.) diskutieren mit SRF-Redaktor Mario Gutknecht über Sehnsucht nach dem Aargau. SRF Urs Tanner

Es war Ende des 19. Jahrhunderts. Aargauer sahen ihre Zukunft nicht mehr im eigenen Kanton, sondern in St. Gallen. Dort haben sie in der Stickerei- und Tuchindustrie eine Arbeit gefunden. So kam es dazu, dass vor 125 Jahren mehrere Auswanderer einen Aargauer Verein in St. Gallen gründeten.

Dieser Aargauer Verein war jedoch nicht nur dazu da um sich ab und zu zu treffen. Er erfüllte auch soziale Aufgaben, erklärt Hansjürg Brack, heutiger Präsident des Aargauer Vereins im Gespräch mit Radio SRF an der Olma. «Die Aargauer gründeten eine vereinseigene Krankenkasse mit einem Monatsbeitrag von 50 Rappen». Damit half man sich gegenseitig, wenn jemand zum Arzt musste. Es gab auch eine Art Fürsorgeleistung für Witwen.

Nach und nach verlor der Aargauer Verein jedoch diese Funktion, nachdem der Staat vermehrt diese Aufgaben übernommen hatte. Trotzdem existiert der Aargauer Verein weiter. Heute hat er vor allem gesellschaftliche Aufgaben. Der Verein unternimmt jedes Jahr mehrere Ausflüge.

Nachwuchs fehlt

Für Elisabeth Boxler, welche seit 1972 in der Ostschweiz lebt, ist der Verein wie eine Art Familie. Auch nach so vielen Jahren habe sie sich in St. Gallen noch nicht vollständig integriert. «Die St. Galler nehmen einen nicht so schnell auf als Ausländerin – als Zugezogene», so Boxler.

Der Aargauer Verein bietet also den Exil-Aargauern eine Heimat. Die Frage ist: Wie lange noch? Aktuell hat der Verein noch knapp 60 Mitglieder. Das Durchschnittsalter liegt bei 69 Jahren. Nachwuchs gibt es nicht. Deshalb ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis der letzte Aargauer Verein in der Schweiz nicht mehr existiert.