Wie der Reusspark den Fachkräftemangel besiegte

Für Pflegeheime wird es immer schwieriger, Personal zu finden. Der Reusspark in Niederwil AG hat dieses Problem im Griff. Der Reusspark gilt diesbezüglich mittlerweile als «Vorzeigepflegeheim». So sehr, dass am Montag sogar Bundesrat Johann Schneider-Ammann auf einen Besuch vorbeikam.

Das Hauptgebäude des Heims von vorne betrachtet.

Bildlegende: Das Pflegeheim Reusspark in Niederwil hat – im Gegensatz zu anderen – weniger Probleme wegen fehlenden Fachkräften. Roman Portmann/SRF

2012 wurde im Pflegeheim Reusspark in Niederwil eine neue Station eröffnet. 50 Stellen mussten dafür besetzt werden. «Das war eine echte Herausforderung», sagt Reusspark-Direktor Thomas Peterhans rückblickend gegenüber dem Regionaljournal Aargau Solothurn von Radio SRF: «Wir mussten uns etwas Innovatives einfallen lassen.»

Das Label UND

Das Niederwiler Pflegeheim erarbeitete sich daraufhin das Label UND von der Schweizerischen Fachstelle für Familien- und Erwerbsarbeit für Männer und Frauen. Dieses Label wird an solche Betriebe vergeben, welche besonders familienfreundliche Arbeitsmodelle anbieten, erklärt Peterhans.

Eine ganze Reihe von Massnahmen wurde umgesetzt, um die Arbeitsplatzzufriedenheit der Mitarbeitenden zu erhöhen. Zum Beispiel:

  • Förderung von Wiedereinsteigerinnen und Teilzeitarbeit (auch in Führungspositionen)
  • Betriebseigene Kindertagesstätte mit auf Schichtplan abgestimmten Betreuungszeiten
  • Lohntransparenz für alle
  • Aus- und Weiterbildung der Mitarbeitenden

Manche Massnahmen seien nicht teuer gewesen, sagt Thomas Peterhans. Zum Beispiel das Abstimmen der Betreuungszeiten der Kindertagesstätte auf die Schichtzeiten oder das Abstimmen der Schichtzeiten auf den öV-Fahrplan.

Arbeitsplatzzufriedenheit zahlt sich aus

Für das Pflegeheim Reusspark haben sich die Massnahmen gelohnt. «Wir haben viel weniger Mühe, Personal zu finden», sagt Thomas Peterhans. Damit spare der Reusspark Kosten für Inserate und für Stellenvermittler.

Zudem gebe es seit ein paar Jahren auch viel weniger Personalfluktuationen: «Einen Grossteil der Mehrkosten holen wir wieder herein», sagt Peterhans, «wenn nicht sogar mehr».

«  Es wäre schön, wenn sich andere Betriebe ein Beispiel am Reusspark nehmen würden »

Johann Schneider-Ammann
Bundesrat

Beeindruckt von der Arbeitsplatzattraktivität im Reusspark zeigte sich am Montagmorgen auch Bundesrat und Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann.

Mehrere nationale und kantonale Politiker lassen sich vor Ort den Betrieb erklären.

Bildlegende: Zu Besuch: Bundesrat Johann Schneider-Ammann (von rechts), Regierungsrat Urs Hofmann und Nationalrätin Ruth Humbel. Roman Portmann/SRF

Seit 2011 engagiert sich der Bund im Rahmen der sogenannten Fachkräfte-Initiative unter anderem für die Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. «Es wäre schön, wenn sich andere Betriebe ein Beispiel am Reusspark nehmen würden», sagte Schneider-Ammann anlässlich seines Besuches in Niederwil. Zusammen mit anderen nationalen und kantonalen Politikerinnen und Politikern besuchte er das Pflegeheim am Montag.

Der Reusspark in Zahlen

Im Reusspark gibt es 299 Betten. 353 Mitarbeitende betreuen die Bewohnerinnen und Bewohner. 84 Prozent der Mitarbeitenden sind Frauen. Zu 70 Prozent besteht das Personal aus Schweizerinnen und Schweizern. Von den Ausländischen Mitarbeitenden bilden Deutsche mit Abstand den grössten Anteil.