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Unfälle auf der Seetalstrecke Wieder mehr Zusammenstösse zwischen Bahn und Autos?

Mitte August 2017: In Seon erfasst ein Zug der Seetalbahn ein Auto. Trotz Warn-Blinklicht war der Lenker auf den Bahnübergang gefahren. Die Bahnstrecke bleibt für mehrere Stunden unterbrochen. Ein paar Tage später: Erneut in Seon gerät ein Fahrzeug auf die Geleise. Der Zug erfasst den Lastwagen, die Strecke ist für mehrere Stunden gesperrt. Der Beginn einer Häufung von Unfällen auf der Seetalstrecke, der Bahnlinie von Lenzburg nach Luzern?

Gemeinde und Kanton sehen keine Häufung

Drehlichter an Bahnübergang.
Legende: Im Seetal sind viele Bahnübergänge nicht mit Barrieren ausgestattet, sondern nur mit roten Drehlichtern. Keystone

Nein, findet man bei der Gemeinde Seon. Seit die Strecke zum grossen Teil saniert wurde, hätten die Unfälle stark abgenommen, so Heinz Bürki, Gemeindeammann von Seon. Als es vor einigen Jahren noch mehr unbewachte Bahnübergänge gegeben hat und die Züge schneller gefahren sind, habe es viele und auch tödliche Unfälle gegeben. Heutzutage gebe es aber weiterhin Autofahrer, die kurz vor dem Zug noch über Bahnübergänge ohne Schranken fahren.

Dass es wieder mehr Unfälle gibt auf der Seetalbahnstrecke, das verneint man auch beim Kanton Aargau. Der Eindruck einer Häufung entstehe eventuell dadurch, dass Unfälle mit Zügen und Fahrzeugen oft medienwirksam seien und Auswirkungen auf Zugpassagiere hätten.

Die Übergänge in Seon seien keine Unfallschwerpunkte, so Kai Schnetzler, Leiter der Sektion Verkehrssicherheit des Kantons Aargau. Und auch wenn auf dieser Bahnstrecke viele Übergänge nicht mit Barrieren gesichert sind: Die Signalisation mit auffälligen roten Warnleuchten reiche aus.

Platz für Barrieren fehlt

Mit Barrieren wäre die Strecke natürlich noch sicherer, ergänzt Alex Joss, Projektleiter der Sanierungsarbeiten an der Seetalstrecke. Dazu fehle aber vielerorts schlicht der benötigte Platz. Bahngeleise, Strasse und Gebäude seien oft sehr nahe beisammen. Dazu kommt, dass Barrierenanlagen eine kostspielige Angelegenheit sind. Der Gemeindeammann von Seon spricht von 200'000 Franken pro Bahnübergang.

Die Sanierungsarbeiten an der Seetalstrecke sind noch nicht ganz abgeschlossen. Einige bestehende Bahnübergänge sollen noch aufgehoben werden. Für die Anwohner soll als Ersatz eine Zufahrt auf der anderen Seite der Geleise gebaut werden. Laut Joss laufen dazu die Abklärungen.