Wieviel darf Kunst an einem Gefängnis-Gebäude kosten?

Für 180'000 Franken darf ein Solothurner Künstler am künftigen, neuen Gefängnis in Deitingen Kunst anbringen. Und das, obwohl der Kanton Solothurn auf Sparkurs ist. Politiker und Leserbriefschreiber hinterfragen dieses Vorgehen. Solothurner Künstler hingegen sind dankbar, und wollen teils gar mehr.

Skizze des neuen Gefängnis des Kantons Solothurn aus dem Jahr 2008.

Bildlegende: Das neue Gefängnis des Kantons Solothurn in Flumenthal/Deitingen (Projektstand 2008). Kanton SO

Dieser Projektwettbewerb erhitzt die Gemüter im Kanton Solothurn: Bis zum 22. November können sich Solothurner Künstlerinnen und Künstler melden und ein Kunstwerk eingeben, für «Kunst am Bau» beim neuen Gefängnis in Deitingen. Die so genannte Justizvollzugsanstalt «Im Schachen» soll nämlich für 180'000 Franken ein Kunstwerk erhalten.

Gleichzeitig muss der Kanton Solothurn sparen, und zwar im grossen Stil: Allein in der letzten Rechnung resultierte ein Defizit von über 111 Millionen Franken. Darum finden nicht alle toll, dass «Kunst am Bau» im aktuellen Fall gleich 180'000 Franken kosten soll.

Kritische Leserbriefe zu «Kunst am Bau» beim Gefängnis

In mehreren Leserbriefen in der «Solothurner Zeitung» machen Bürger ihrem Ärger Luft. So schreibt etwa Geri Egger aus Solothurn: «Der Kanton beabsichtigt, im neuen ‹Knastbrüder-Sanatorium›, sprich Therapiezentrum Deitingen, für Kunst am Bau 180000 Franken auszugeben. Derselbe Kanton beklagt seit einiger Zeit das bevorstehende Finanzloch in der Staatskasse und droht damit, in naher Zukunft die Steuern erhöhen zu müssen.»

Auch Politiker finden, dass man diesen Ausgabeposten überdenken könnte. «Das kann durchaus ein Thema sein für den Massnahmenplan», meint Beat Loosli aus Starrkirch-Wil. Der FDP-Mann ist Präsident der Finanzkommission des Kantonsrates. Auch seine Parteikollegin in der Bildungs- und Kulturkommission, Verena Meyer, sieht Fragezeichen. Da der Kanton Geld für Kunst am Bau ausgeben müsse, sei die zuständige Verordnung zu überdenken, meint Meyer.

Tatsächlich steht in der «Verordnung über die künstlerische Ausschmückung staatlicher Bauten», dass der Kanton gar nicht anders kann. Neue Kantonsgebäude oder Gebäude, die wesentlich umgestaltet werden, «sind grundsätzlich mit künstlerischem Schmuck zu versehen», heisst es dort. Die Kosten dürfen maximal ein Prozent der gesamten Baukosten ausmachen.

Kunstwerk dürfte im aktuellen Fall sogar noch teurer sein

Im Fall des Gefängnisses wird dies mehr als eingehalten: Bei Baukosten von 60 Millionen Franken dürfte das Kunstwerk gar 600'000 Franken kosten. Weil der Beitrag im aktuellen Fall deutlich tiefer ist, haben andere Politiker weniger Bedenken. «Solange nicht jedes Mal das Maximum abgeschöpft wird, ist das in Ordnung», findet der Grenchner FDP-Kantonsrat Hubert Bläsi.

Die Solothurner SP-Kantonsrätin Franziska Roth setzt sich ebenfalls für diese Ausgaben ein. «Der Kanton Solothurn finanziert die meisten solchen Projekte über den Lotteriefonds», so Roth. «Da kann man ruhig auch mal Kunstwerke von Solothurner Künstler aus dem eigenen Sack finanzieren.»

Ins gleiche Horn blasen die Künstler im Kanton Solothurn. Jean Mauboulès konnte im letzten Jahr den neuen Kantonsratssal mit einem Kunstwerk beliefern, für 50‘000 Franken. Dass das Gefängnis in Deitingen nun für 180‘000 ein Kunstwerk bekommen soll, findet er richtig: «Das ist weder zu viel noch zu wenig.»

Der Kanton tue viel für seine Künstler, lobt Mauboulès. Auch Beatrice Bader, Künstlerin aus Nennigkofen, ist eigentlich zufrieden. «Ich bin dankbar, dass es überhaupt Kunst am Bau gibt», erklärt sie auf Anfrage. Und doch dürfte es etwas mehr sein: «Es wäre schön, wenn mehr Gebäude mit Kunst am Bau bestückt würden.»

Und: Auch mehr Transparenz bei den Kosten wäre gut, meint Bader. Im Moment sei für viele Künstler unklar, wie hoch die Kosten für so ein Kunstwerk sein dürften. «Ob es nun ein Prozent der Baukosten sei, oder nur ein halbes Prozent – wir wissen es nicht.» Es wäre gut, wenn es das schwarz auf weiss geben würde, so Bader.

Beim Kanton kennt man das hin und her beim Thema "Kunst am Bau", heisst es auf Anfrage. Die Politiker würden lieber weniger Geld dafür ausgeben, die Künstler hätten lieber mehr Geld. Man wissen, dass man hier in der "Sandwich"-Position sei, heisst es beim Amt für Kultur und Sport.