Windpark Kirchleerau: Die «Hauptprobe» bestanden

Der öffentliche Informationsabend der Zentralschweizer Kraftwerke CKW in Kirchleerau war gut besucht. Die Verantwortlichen informierten über ihre Pläne für einen Windpark auf der aargauisch-luzernischen Grenze. Erstaunlich wenige kritische Fragen gab es. Was wohl aber auch am Austragungsort liegt.

Visualisierung Windpark Kirchleerau/Kulmerau

Bildlegende: Vier Windräder, zwei davon auf Aargauer Boden: Das ist der Plan der Zentralschweizer Kraftwerke (Visualisierung). zvg

«Man muss mutig sein», «Wintergärten sind gefährlicher für Vögel als Windräder», «den Landessender Beromünster wollte man auch nicht, heute darf man ihn gar nicht mehr abreissen»: Mit solch markigen Worten machten die Verantwortlichen der CKW und Windkraft-Experten am Montagabend in Kirchleerau Stimmung für ihren geplanten Windpark.

Eigentlich war die Stimmungsmache aber gar nicht nötig. «Mich stören diese Windräder nicht», «man muss schliesslich auch an die künftige Generation denken»: So tönte es nach der Versammlung. Statt Kritik hörten die CKW-Verantwortlichen vor allem fachtechnische Fragen.

Kaum Winderstand in Kirchleerau selber

Turnhalle mit Gästen, im Hintergrund Referent mit Projektion und Windrad-Modell

Bildlegende: Peter Suter von der CKW informierte am Montag ein interessiertes, aber wohlwollendes Publikum in Kirchleerau. SRF

Gemeindeammann Erich Hunziker aus Kirchleerau sieht sich bestätigt: «Ich glaube nicht, dass dieser Windpark bei uns negativ aufgenommen wird», erklärte er nach der Veranstaltung gegenüber Radio SRF. Erstaunlich: Immerhin sind bis zu vier Windräder geplant zwischen Kirchleerau (AG) und Kulmerau (Triengen LU) mit einer Höhe von 100 Metern und Rotoren von bis zu 45 Metern Länge. Die Anlage wäre weitherum sichtbar, wie die Fotomontagen der CKW deutlich zeigen.

Doch zu sehen sind die Windräder eben vor allem in den Nachbargemeinden von Kirchleerau: Schmiedrued-Walde, Schlossrued, Reitnau oder Staffelbach. Kritische Stimmen gab es an der Informationsveranstaltung denn auch vor allem aus diesen Gemeinden. Und auch Peter Suter, Leiter Neue Energien der CKW, bleibt vorsichtig: «Es werden sicher noch kritische Fragen kommen, dann wohl an den nächsten Informationsabenden in Schmiedrued und Triengen.»

Die Nagelprobe folgt in Schmiedrued

Insofern darf man den Informationsabend in Kirchleerau als Hauptprobe für die CKW betrachten. Die Nagelprobe folgt dann wohl am Donnerstag am Informationsabend in Schmiedrued-Walde.

Die Argumente aber sind nun bekannt: Die CKW betont, dass die Region bereits im Aargauer Richtplan als geeigneter Windpark-Standort eingetragen ist. Sie streicht heraus, dass man die Windräder einfach ans Stromnetz anschliessen könnte, dass die Zufahrtsstrassen für den Aufbau der gigantischen Anlagen geeignet wären.

Und vor allem: Alle direkt betroffenen Landbesitzer hätten bereits eingewilligt. Sogar eine Hausbesitzerin, deren Scheunendach für den Transport der riesigen Rotoren vorübergehend abgerissen werden muss.

Ein neues Sankt-Florian-Prinzip?

Schliesslich betont die CKW, dass die Windenergie für die geplante Energiewende dringend nötig sei. Denn Windenergie werde vor allem im Winter produziert: Dann also, wenn Solar- und Wasserkraftwerke kaum Energie liefern. Peter Suter beschwor die Anwesenden, ihren Beitrag zur Energiewende zu leisten. Seine Angst ist, dass «Sankt Florian» zuschlägt: «Ich bin total dafür, aber bitte nicht bei mir», höre man häufig.

In Kirchleerau könnte eine abgewandelte Form davon zutreffen. Denn tatsächlich sind die Bewohner der Standortgemeinde selber wohl kaum das Problem für die Windpark-Projektierer. Im Fall Windpark Kirchleerau lautet der Spruch von Sankt Florian dann wohl eher: «Ich bin total dafür, aber bitte nicht in meiner Nachbargemeinde.»

(Regionaljournal Aargau Solothurn, 06:32 Uhr)

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