Zehn Jahre ohne Spital: In Brugg ist die Aufregung verflogen

Vor genau zehn Jahren schloss das Bezirksspital Brugg. Aufgrund des Kostendrucks im öffentlichen Gesundheitswesen konnte das Spital nicht gerettet werden. Die Bevölkerung war damals sehr aufgebracht, es gab Demonstrationen für das Spital. Heute ist man in Brugg zufrieden mit der Anschlusslösung.

Der ehemalige Brugger Stadtpräsident und Grossrat Rolf Alder erinnert sich im Interview mit dem Regionaljournal an die Turbulenzen rund um die Schliessung des Bezirksspitals:

SRF: Was ist Ihnen heute Morgen an diesem Jahrestag durch den Kopf gegangen?

Rolf Alder: Es sind Gefühle und Erinnerungen aufgekommen, die mich damals sehr stark belastet haben, vor allem drei Dinge: Angefangen hat alles ja 2003 mit den angekündigten Entlastungsmassnahmen des Kantons für fast 800 Millionen Franken. 2004 hat der Grosse Rat dann einen Richtungsentscheid gefällt: Das Bezirksspital Brugg muss jetzt schliessen, es geht nicht anders wegen der Kosten. Dieser Entscheid fiel aber noch ganz knapp mit 84 zu 87 Stimmen. Und der letzte Schritt, an den ich mich noch sehr deutlich erinnere, war der 8. März 2005. Damals beschloss der Grosse Rat definitiv die Schliessung des Spitals, das ist mir schon in die Glieder gefahren damals.

Mann an Demonstration hält ein rotes Schild in die Höhe

Bildlegende: Protestaktion gegen die Spitalschliessung: Mehrere tausend Menschen gingen am 19. Februar 2005 auf die Strasse. Archivbild Keystone

Die Bevölkerung stand ja sehr fest hinter dem eigenen Spital, es gab auch Demonstrationen für die Erhaltung. Sie waren selber Stadtpräsident und auch im Grossen Rat. Haben Sie damals nicht doch einfach zu wenig gemacht?

Nein, ich glaube wir haben wirklich alles gemacht, was wir konnten.

Heute vor 10 Jahren ging das Bezirksspital zu, heute gibt es das medizinische Zentrum Brugg mit einem breiten Angebot an medizinischen Leistungen. Eigentlich muss man ja sagen, es fehlt heute an nichts?

Ja, das ist richtig. Aber: Das medizinische Zentrum kam nur zustande, weil verschieden Arbeitsgruppen sehr gut zusammengearbeitet haben. Es konnte ja dann bereits drei Monate nach der Schliessung des Spital eröffnen und hatte auch von Anfang an grossen Erfolg. In diesem ganzen Scherbenhaufen mit dem Spital war das für uns in Brugg natürlich ein Glücksfall, dass wir das zustande gebracht haben. Wir haben eine sehr gute Lösung heute, auf die wir stolz sein können.