Zofinger Familienunternehmen Müller Martini baut radikal um

Müller Martini, Herstellerin von Systemen für die Druckverarbeitung und den Versand mit Hauptsitz in Zofingen, plant den Abbau von weltweit 550 Stellen. In Zofingen könnten 50 Mitarbeiter ihren Job verlieren, aber auch neue Stellen geschaffen werden.

Maschine der Firma Müller Martini

Bildlegende: Solche Maschinen produziert das Zofinger Familienunternehmen Müller Martini. Wie lange noch? zvg

Für die Gewerkschaft «Angestellte Schweiz» ist klar: Die zunehmende Digitalisierung unserer Welt macht Druckerzeugnisse immer verzichtbarer. Dies bekomme der Hersteller von Maschinen für Druck und Handling von Printmedien mit voller Härte zu spüren.

Bestellungen und Umsätze beim Familienunternehmen Müller Martini brechen ein. Nun reagiert die Firmenleitung in Zofingen und plant einen grossen Um- und Abbau. 550 Stellen könnten weltweit gestrichen werden.

Umsatz in nur vier Jahren halbiert

Der Standort im thurgauischen Felben soll ganz geschlossen werden. 250 der 330 Mitarbeitenden droht die Entlassung. Rund 50 Mitarbeitende aus Felben sollen am Standort Zofingen weiterbeschäftigt werden, andererseits könnten Personen, die jetzt in Zofingen arbeiten, ihren Job verlieren.

Der Grund für die radikale Umstrukturierung: Der Umsatz des Marktführers bei Systemen für die Druckverarbeitung sank in den vergangenen vier Jahren von über 1 Mrd. auf deutlich unter 450 Mio. Franken. Die Situation habe sich seit Ende 2012
verschärft, heisst es. Für das laufende Jahr werde mit einem Umsatz von rund
400 Mio. Fr. gerechnet.

Familienunternehmen will sich gesundschrumpfen

Diese Situation zwinge Müller Martini, eine grundlegende Restrukturierung zu prüfen. Die Grösse des Unternehmens müsse an den geschrumpften Markt angepasst werden, heisst es von Seiten der Geschäftsleitung.

Das Ziel sei, sich im weltweit geschrumpften Markt der grafischen Branche auch in Zukunft zu behaupten und das Überleben der Gruppe zu sichern. Um Investitionen in Produktentwicklungen tätigen zu können, müssten Kosten und Erträge in Einklang gebracht werden.

Noch wird nach Lösungen gesucht

Das Unternehmen informierte am Donnerstag die Behörden und Sozialpartner über die Radikalkur. Man werde während des Konsultationsverfahrens gemeinsam mit den Personalvertretungen nach sozialverträglichen Lösungen suchen, versicherte die Firma. Das Konsultationsverfahren dauert bis zum 14. August.

Die Gewerkschaft Syna zeigte sich in einer Reaktion «entsetzt» über die geplanten Entlassungen. Bereits ab Ende August sei mit ersten Entlassungen zu rechnen.  Man begrüsse, dass die Firmenleitung ein offenes Verfahren gewählt habe, damit die Arbeitnehmervertretungen zusammen mit der Belegschaft und den Gewerkschaft griffige Lösungen erarbeiten könnten.

Gewerkschaften üben Kritik

Müller Martini habe eine rechtzeitige Diversifizierung verschlafen, hält der Verband Angestellte Schweiz fest. Der Strukturwandel sei vorhersehbar gewesen. Es sei nicht nachvollziehbar, dass der Betrieb in Felben-Wellhausen ganz geschlossen werden solle. Eine Weiterführung sei «absolut realistisch».

Besonders bitter für die Angestellten von Müller Martini sei, dass auch die Kurzarbeit den Stellenabbau nicht verhindert habe. Viele hätten auf einen Teil ihres Einkommens verzichten müssen und würden den Job trotzdem verlieren.