Zwei Metzger, zwei Länder und dazwischen die Frankenstärke

Die Frankenstärke: Sie ist omnipräsent seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses Mitte Januar. Viele Firmen haben deswegen rote Halbjahreszahlen geschrieben oder Schlagzeilen mit Stellenabbau gemacht. Das Bild: Unternehmen leiden, Konsumenten profitieren. Nicht alle Firmen passen aber in das Bild.

Metzgereien sind vom Aussterben bedroht. Noch immer da ist die Metzgerei Müller in Stein AG an der deutschen Grenze. Sie trotzt nicht nur diesem Trend, sondern auch dem schwachen Euro. «Klar kommen einzelne nicht mehr, die Stammkunden aber sind geblieben», sagt Urs Müller, Mitinhaber der Metzgerei, gegenüber Radio SRF. Die Metzgerei habe kaum Einbussen wegen der Aufhebung des Euro-Mindestkurses.

Während andere Firmen rote Halbjahreszahlen schreiben und Stellenabbau vermelden, geht es der Aargauer Metzgerei gut. «Das liegt an unserem Kundensegment», erklärt Urs Müller. Der Fokus liege auf den Stammkunden, welche vor allem die hohe Qualität und die freundliche und persönliche Bedienung schätzten. Oberste Priorität habe für diese Kunden nicht das Geld.

«  Klar merken wir den starken Franken, leiden tun wir aber deswegen nicht.  »

Urs Müller
Inhaber der Metzgerei Müller

Ausserdem habe man sich weitere Standbeine neben dem Laden geschaffen. Zum Beispiel beliefert die Firma Veranstaltungen mit ihrem Fleisch oder vertreibt schweizweit fettarme Würste. Die Idee dazu kam aus den eigenen Reihen. Die Würste werden in der Metzgerei produziert.

Deutsche Metzger profitiert minim

Schauplatzwechsel: die Metzgerei Stepanek wirtschaftet kurz nach der Grenze im deutschen Laufenburg. Mit einem ähnlichen Sortiment, ähnlicher Qualität und Zielgruppe gilt sie als Konkurrentin der Müller Metzgerei. Insbesondere seit man dort Fleisch in ähnlicher Qualität noch günstiger kaufen kann, nämlich ungefähr zur Hälfte des Schweizer Preises.

Inhaber Rainer Stepanek winkt ab. Im Januar habe man zwar einen regelrechten «Run» erlebt. Inzwischen sei dieser aber wieder abgeflacht. Auch er lebe hauptsächlich von seinen Stammkunden. Kostensensitive Kunden würden sowieso bei Aldi oder Lidl einkaufen. Nur rund 20 Prozent seiner Kunden seien Schweizer.

Schon weit mehr Geld mit Kunden aus der Schweiz hat Stepanek wegen dem sogenannten «Marinadentrick» verdient. Vor mehr als zwei Jahren entdeckte er eine Gesetzeslücke: Sobald Fleisch mariniert war, konnten Einkaufstouristen zusätzlich zu den erlaubten 500 Gramm Frischfleisch noch 3,5 Kilogramm gesalzenes oder mariniertes Fleisch zollfrei in die Schweiz importieren. Der deutsche Metzger sorgte damit schweizweit für Schlagzeilen. Inzwischen ist der «Marinadentrick» aber nicht mehr möglich.