Zwetschgen-Bauern verzweifeln, Wein-Bauern zittern

«Die Situation ist dramatisch», sagt der Aargauer Obstbau-Berater Othmar Eicher. Die aus Asien eingeschleppte Kirschessigfliege wütet in der Region wie noch nie. Nach Kirschen und Beeren befällt sie jetzt Zwetschgen. Und Weinbauern haben Angst, dass es die Fliege auch auf die Trauben abgesehen hat.

Fliege

Bildlegende: Die männliche Kirschessigfliege ist gut erkennbar an den schwarzen Punkten an ihren Flügeln. Kanton Zürich/Strickhof Fachstelle Obst

Sie heisst «Drosophila suzukii» und ist in der Schweiz seit rund vier Jahren bekannt. Aus Asien wurde die Kirschessigfliege eingeschleppt. Wahrscheinlich sei der Schädling via den freien Welthandel in die Schweiz gelangt, mit Früchten zusammen importiert worden, vermutet Othmar Eicher vom Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg.

Zuerst wurde die Kirschessigfliege in der Schweiz nur vereinzelt festgestellt. Im milden Winter 2013/2014 konnte sie sich aber viel früher vermehren als sonst und macht jetzt den Obstbauern zu schaffen.

Zuerst die Kirschen, jetzt die Zwetschgen

Bauer nimmt Zwetschge vom Baum

Bildlegende: Die Obstbauern mussten schon tonnenweise Zwetschgen entsorgen, weil sie befallen sind. (Symbolbild) Keystone

Angefangen hat es gegen Ende der Kirschenernte. Späte Kirschen wurden verregnet, sind aufgeplatzt und wurden nicht mehr abgeerntet. «Das war ein riesiges Vermehrungs-Reservoir für die Kirschessigfliege. Entsprechend haben wir jetzt eine sehr grosse Population, welche die reifenden Zwetschgen anfliegt», erklärt Othmar Eicher dem Regionaljournal von Radio SRF.

Für einzelne Betriebe in der Region Aargau-Solothurn könne es sehr dramatisch sein, berichtet Eicher. Bereits seien tonnenweise Zwetschgen in der Biogasanlage entsorgt worden.

Die Weinbauern haben Angst

Während des Interviews läutet beim Obstbau-Berater das Telefon. Das ist in diesen Tagen fast ständig der Fall. Bauern bestürmen den Berater und wollen Rat, wie sie die Fliege bekämpfen und später reifende Zwetschgen noch schützen können. «Es herrscht eine grosse Unsicherheit, zum Teil Hilflosigkeit bei den Obst-Produzenten, weil es ja ein neuer Schädling ist», sagt Eicher.

Derweil geht bei den Aargauer Weinbauern die Angst um, dass die Kirschessigfliege nach den Kirschen und Zwetschgen nun auch noch die Trauben befallen wird. Die Weinbauern seien beunruhigt, bestätigt Othmar Eicher. Sie seien daran, Fallen aufzustellen.

Der Hausgarten wird nicht verschont

Neben den Bauern seien aber auch die Hobby-Gärtner gefordert. Wer bei sich zu Hause Beeren hat, solle diese vollständig ernten und entsorgen, damit sich die Fliege nicht noch mehr verbreiten könne.

Die befallenen Beeren ab- und auflesen und auf den Kompost werfen reiche aber nicht, betont der Obstbau-Berater. Eicher empfiehlt die Methode namens «Solarisieren», um die Fliege zu vernichten. Dabei gibt man die befallenen Beeren in einen Sack, verschliesst diesen gut, und stellt ihn mehrere Tage an die Sonne. So sollte die Fliege eingehen.

Hoffen auf den Winter

Der Experte hofft zudem auf einen eiskalten Winter mit Minus-Temperaturen, welche der «Drosophila suzukii» den Garaus macht. Bei einem milden Winter könnte sich die Kirschessigfliege noch früher vermehren und dann nächstes Jahr sogar die Erdbeeren befallen, welche dieses Jahr noch verschont blieben. Dann würde das Jahr 2015 für die Obstbauern noch schlimmer als 2014.