Baselworld: 80 Prozent der Messebauer sind scheinselbständig

Weit und breit ist keine Lösung in Sicht: Ob der Gesamtarbeitsvertrag bei der nächsten Messe eingehalten wird, ist fraglich. Messeveranstalterin, Kanton und Sozialpartner sind skeptisch.

Standbauer an der Basel World vom Frühjahr.

Bildlegende: Standbauer an der Baselworld vom Frühjahr. Keystone

Anfang Februar nehmen in Basel wieder zahlreiche ausländische Standbauer ihre Arbeit für die Uhren- und Schmuckmesse «Baselworld» auf. Ob dieses Mal im Gegensatz zu 2013 der für sie geltende Gesamtarbeitsvertrag (GAV) mehrheitlich eingehalten wird, ist fraglich.

Die Messeveranstalterin MCH Messe Basel, das kantonale Amt für Wirtschaft und Arbeit sowie die Sozialpartner zeigten sich in einer Mitteilung vom Dienstag skeptisch: Die Durchsetzung des GAV Messebau stelle nach wie vor eine «grosse Herausforderung» dar, und für alle Parteien akzeptable Zukunftslösungen seien noch nicht absehbar.

Das Problem bei den ausländischen Messebauern besteht in der verbotenen Scheinselbständigkeit. Noch sind die Abklärungen zur «Baselworld 2013» nicht abgeschlossen, doch habe sich bisher gezeigt, «dass 80 Prozent der kontrollierten Messebauer Scheinselbständige waren, eine enorm hohe Quote», sagte vor den Medien Hansueli Scheidegger, der Co-Leiter der Gewerkschaft Unia Nordwestschweiz. Fälle von Schwarzarbeit oder extremem Lohndumping gab es aber laut der MCH Messe Basel nicht.

Für die «Baselworld 2014» hat die Gewerkschaft Unia vorgeschlagen, dass die MCH Messe Basel die Arbeitszeiten der Standbauer erfasst und ein unabhängiges Lohnbüro mit der Lohnverwaltung beauftragt. Davon will die Messeveranstalterin nicht zuletzt aus rechtlichen Gründen nichts wissen. «Dass wir ein Lohnbüro schlicht nicht einrichten können, leuchtet wohl allen ein», sagte MCH-Verwaltungsratspräsident Ueli Vischer, denn die Arbeitszeiterfassung sei von Gesetzes wegen Sache der Arbeitgeber.

Dagegen will die MCH Messe Basel bei der «Baselworld» eine Zutrittskontrolle einrichten, wie sie heute auch auf Grossbaustellen üblich ist. Mit den Informationen über die Anwesenheit der Standbauer soll die Arbeit der Kontrollorgane unterstützt werden.