Basler Ausstellung: Wenn aus Vandalismus Kunst wird

Die Plakatsammlung der Schule für Gestaltung widmet sich Plakaten, die auf Empörung stossen. Die Ausstellung «Love to Hate» zeigt Beispiele von Plakaten, die von unbekannten Personen verändert oder zensiert wurden - und sie zeigt, dass das Verändern von Plakaten auch ein kreativer Akt sein kann.

Bild aus der Ausstellung

Bildlegende: Ausstellung «Love to Hate» in der Plakatsammlung der Schule für Gestaltung. zVg

Wer ein Werbeplakat an den Strassenrand hängt, geht das Risiko ein, dass sich jemand an diesem Plakat stört. Und so kommt es immer wieder vor, dass bei Nacht und Nebel jemand ein Plakat zerstört oder verändert: Der brave Landratskandidat hat dann plötzlich ein Hitler-Schnäuzchen und das Stop-Aids-Plakat einen Zensurbalken.

Plakate zu verändern - das ist zwar verboten, vom Gesetz her gilt das als Vandalismus. Eine neue Ausstellung in der Plakatsammlung der Schule für Gestaltung auf der Basler Lyss zeigt jedoch, dass dies durchaus auch ein kreativer Akt sein kann.

So ist ein Plakat zu sehen, das Werbung für Fast Food macht mit dem Slogan «Manche mögens heiss». Mit einem einzigen zusätzlichen Buchstaben, den Unbekannte aufs Plakat gekritzelt haben, haben sie die Botschaft des Plakats in ihr Gegenteil verkehrt. Der Slogan heisst dann: «Manche mögen Scheiss». Die Kuratorin der Ausstellung, Alexandra Schüssler, sagt: «Die Veränderung ist wahnsinnig klein, hat aber einen immensen Effekt.»

Angela Merkel macht Werbung für den NSA

Dass ganz wenige Striche mit dem Filzstift eine subversive Wirkung entfalten können, zeigt auch ein Wahlplakat der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der ursprüngliche Slogan lautet: «Gemeinsam erfolgreich in Europa». Wenn man beim ersten Wort sechs Buchstaben wegstreicht, bleibt übrig: «NSA erfolgreich in Europa». Das Plakat wird so zur bitterbösen Anspielung darauf, dass der amerikanische Geheimdienst in Europa viele Leute bespitzelt hat - unter anderem auch Angela Merkel selber.

«Ich bin fasziniert von der Vielzahl an Möglichkeiten, die der Mensch erfinden kann, um in das Bild, in das Wort oder in das Spiel von Bild und Wort einzugreifen», sagt Alexandra Schüssler. In ihrer Ausstellung wollte sich jedoch auch herausfinden, welche Art von Plakaten am häufigsten verändert oder zerstört werden. Auf Platz eins: Nackte Männer.

Nackte Männer lassen unbescholtene Bürger auf Leitern steigen

Die Ausstellung zeigt zwei Museumsplakate aus Wien, die dort für Schlagzeilen sorgten. Auf dem einen sind drei nackte Fussballer, auf dem anderen ein Transgender-Modell, also ein Mensch mit männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen. «Diese Plakate haben dafür gesorgt, dass unbescholtene Bürger der Stadt Wien zu Vandalen wurden, indem sie mit Leitern und Sprühdosen ausgerüstet Plakate veränderten.»

Alexandra Schüssler betont jedoch: «Ich würde niemals all diese Modifikationen, die ich in meiner Ausstellung zeige, als Vandalismus abtun. Stattdessen halte ich das Phänomen für einen bedeutungsvollen Akt.» Es gebe Menschen, «die in der gleichen Sprache, wie wir alle von den Werbern angesprochen werden, antworten». Und dies sage etwas über die Gesellschaft aus. «Wir haben einen Individualstolz entwickelt, dass manche von uns finden, dass auch unsere Stimme gehört werden muss.»

(Regionaljournal Basel, 17:30 Uhr)