Basler Rapper würdigt Baselbieter Dichter

Vor 95 Jahren ehrte die Schwedische Akademie in Stockholm den Baselbieter Dichter und Literaten Carl Spitteler mit dem Nobelpreis. Trotz dieser Würde geriet das Werk «Olympischer Frühling» immer mehr in Vergessenheit. Eine Neuinterpretation holt nun das epochale Epos wieder ins Bewusstsein zurück.

Carl Spitteler als alter Mann im Profil gemalt.

Bildlegende: Carl Spitteler, gemalt von Ferdinand Hodler (1915) ZVG

Carl Spitteler machte es seinen Lesern nicht leicht. In 20'000 Versen auf 600 Seiten liess er Götter, Dämonen und Figuren aus der Antike aufleben. Er zeichnete Lebenslinien aus der Antike nach und transferierte diese in das beginnende 19. Jahrhundert. Sein Buch «Olympischer Frühling» geriet trotz der akademischen Weihe in der Folge immer mehr in Vergessenheit.

Nun hat sich der Rapper Black Tiger alias Urs Baur dem epochalen Werk wieder angenommen. Er studierte alle Verse von Spitteler, fasste sie zusammen und komponierte vier Lieder.

Dabei liess er die Sprache der Jungen von heute in seine Texte einfliessen und transferierte die Geschichte erneut in die heutige Zeit.

Carl Spitteler wollte in den Olymp der Literaten

Für Urs Baur war es eine Knochenarbeit. «Es war sicher nicht Liebe auf den ersten Blick. Die Texte und die Sprache von Spitteler sind äusserst kompliziert und daher auch elitär.» Es sei eine Fliessarbeit gewesen, sich durch die 600 Seiten zu kämpfen. Zum Schluss hätte er aber Carl Spitteler näher kennengelernt, und auch die Herausforderung der musikalischen Umsetzung sei für ihn ein Gewinn gewesen.

Das von Rapper Black Tiger neu entstandene Werk ist Teil der Ausstellung «Literatur auf der Bühne» im Dichter und Stadtmuseum in Liestal. Bei dieser Ausstellung geht es um neue Literaturformen, die vor allem für die Bühne geschrieben werden. «Wir wollen die Geschichte des Mundart Rap und des Poetry Slam in der Deutschschweiz aufzeigen», meint Daniela Dill, Mitarbeiterin des Museums zur Motivation für die Ausstellung. Dabei ginge es aber auch darum, Junge für die neue Kunstform zu begeistern.

(Regionaljournal Basel, 17:30 Uhr)