Behindertengerechte Haltestellen: Fallen für Velofahrer?

Auch in der Stadt Basel müssen in den nächsten Jahren zahlreiche Haltestellen des öffentlichen Verkehrs behindertengerecht gestaltet werden. So verlangt es das Gesetz. Dies ist jedoch nicht ganz unproblematisch für die Velofahrer, wie ein Beispiel in der Elsässerstrasse zeigt.

Tram und Veloverkehr auf der Mittleren Brücke

Bildlegende: Tram und Velo kommen auf der Mittleren Brücke gut aneinander vorbei Juri Weiss

Bei der Neugestaltung der Elsässerstrasse, die derzeit im Gang ist, plante das Basler Tiefbauamt ursprünglich eine sogenannte Kap-Haltestelle. Das heisst: Die Tramschienen werden an das Trottoir herangeführt und dort wird die Haltestellenkante erhöht auf rund 27 Zentimeter. Mit dieser Lösung hätte der gesetzlich geforderte barrierefreie Zugang zum Tram gewährleistet werden können.

Nachdem die Pläne bekannt wurden, hat jedoch die Umwelt-, Verkehrs- und Energiekommission des Grossen Rats interveniert. Die Kommission verlangte eine bessere Lösung für die Velofahrer. Die Kap-Haltestelle ist nicht unproblematisch für Velofahrer, weil der Abstand zwischen Trottoir und Schienen kleiner und die Sturzgefahr grösser wird. David Wüest-Rudin, Präsident des Veloverbands Pro Velo Basel: «Auch mit einem Veloanhänger für Kinder ist die Situation unangenehm.»

Bei der Verzweigung Elssässertrasse / Hünigerstrasse wird nun der Veloweg in Zukunft quasi über das Trottoir geführt. Damit es nicht zu einem Zusammenstoss zwischen Trampassagieren und Velofahrern kommt, wird zudem eine Lichtsignalanlage nur für Velos installiert.

Noch Zeit, Erfahrungen zu sammeln

Wie der Konflikt zwischen Velo und behindertengerechten Haltestellen an allen übrigen Haltestationen gelöst wird, sei laut Roger Reinauer, Leiter des Basler Tiefbauamts, noch offen. «Wir haben noch über zehn Jahre Zeit, um Erfahrungen zu sammeln», so Reinauer gegenüber dem «Regionaljournal Basel» von Radio SRF.

Über 200 BVB-Haltestellen müssen in den nächsten Jahren angepasst werden. Die Kosten dafür bewegen sich laut ersten Schätzungen in einem dreistelligen Millionenbereich.