«Cinderella» mit einem Augenzwinkern

Das Ballett Basel zeigt eine ironische Variante des klassischen Märchens. Zwar bleibt die Geschichte des jungen Mädchens, das einen Schuh verliert und schlussendlich doch einen Prinzen findet. Aber die Umsetzung der Geschichte ist überraschend und ungewohnt.

Drei geschminkte Männer stehen nebeneinander

Bildlegende: Jorge García, Adrien Boissonnet und Cédric Anselme-Mathieu inszenieren eine ironische Variante der Stieffamilie Ismael Lorenzo

Drei Frauen, die derart böse und brutal sind, dass ihnen jegliche Weiblichkeit fehlt. Drei Frauen, die deshalb von kräftigen Männern getanzt werden. Deren starke Körper drücken mit jeder Bewegung die kompromisslose Boshaftigkeit aus, die in ihnen steckt. 

Der Choreograph Stijn Celis vertauscht in Cinderellas Stieffamilie die Geschlechter. Er lässt die drei Gestalten ungeschickt über die Bühne wirbeln. Ihre Bewegungen sind ruckartig, scheinbar unkontrolliert. Sie tragen lange Rocke, die an die Kleidung einer Nonne erinnern. Die Gesichter weiss, die Mimik übertrieben.

Ironie und Komik

Mit «Cinderella» präsentiert das Ballett Basel keinen Ballettabend, bei dem man sich zurücklehnen und die Ästhetik der Tanzbewegungen bewundern kann. Es ist stattdessen ein Abend, der mit Skurilität, Komik und gar mit Hässlichkeit überrascht. Stin Celis' Variante von Cinderella bricht Erwartungen und wirft einen schonungslosen Blick auf die Rollen. Im Zentrum steht nicht die zierliche und schöne Cinderella, sondern die grobe Stiefmutter und die Stiefschwestern.

«Ein pures Vergnügen»

Die Stieffamilie ist aber nicht nur böse - sie ist vor allem auch lustig. Zum Beispiel wenn die tapsigen Männern versuchen, Cinderella den Prinzen auszuspannen und mit ihren grossen Füssen in den kleinen Damenschuh schlüpfen wollen. Oder wenn sie sich streiten und gekonnt die weibliche Körpersprache imitieren. Die Tänzer geniessen es sichtlich, nicht nur ihr tänzerisches, sondern auch ihr komödiantisches Talent zu zeigen.

Drei Männer in Glitzerkleid tanzen nebeneinander

Bildlegende: Sie geben alles: Die drei Männer, die den Frauenrollen ein Gesicht geben Ismael Lorenzo

Cédric Anselme-Mathieu, der eine Stiefschwester tanzt: «Wir sind zugleich lustig, hässlich, böse und hysterisch. Und das alles in einer Rolle.» Und Jorge García, der die andere Schwester spielt, ergänzt: «Es ist eine lustigere Version von Cinderella als das Original. Die Zuschauer müssen einfach lachen.»