«Das Sommercasino soll eine Bühne für lokale Musiker werden»

Am Freitagabend findet im Basler Sommercasino eine grosse Abschiedsparty statt. Das Jugendhaus startet nächsten Sommer mit einem neuen Konzept und einer neuen Trägerschaft. Tobit Schäfer, Geschäftsleiter des Pop-Fördervereins RFV, sieht darin eine Chance für die lokale Musiker-Nachwuchsszene.

Tobit Schäfer hat viele eigene Erinnerungen an seine Jugendzeit im Sommercasino. «Ich war selber viel in der Disco Drämmli und arbeitete im Zivildienst dort, kenne das Haus als Partygänger und Partymacher», sagt Schäfer. Die Villa mit dem grossen Park hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. In den 1960er Jahren wurde die Villa in ein Jugendhaus umfunktioniert und ist seither fester Bestandteil der Basler Jugendkultur.

«  In den letzten Jahren hat man sich zu stark auf Jugendliche als Kunden fokussiert und zu wenig auf Jugendliche als Produzenten. »

Tobit Schäfer
Geschäftsleiter RFV

Nun steht jedoch eine klare Neuausrichtung bevor. Das Sommercasino wird geschlossen und soll im Sommer 2016 mit einem neuen Konzept und unter neuer Trägerschaft einen Neuanfang machen. Der RFV unterstützt die neue Trägerschaft finanziell. Für Tobit Schäfer ist ein solcher Neuanfang fällig. «In den letzten Jahren hat man sich zu stark auf Jugendliche als Kunden fokussiert und zu wenig auf Jugendliche als Produzenten.» Damit habe das Sommercasino auch andere Konzerthäuser wie die Kaserne konkurrenziert.

Nun sollen die Jugendlichen wieder vermehrt in den Betrieb einbezogen werden. Geplant ist zudem ein Café, das tagsüber auch der Quartierbevölkerung offen stehen soll.

Vom Charme eines Marktes in Lissabon

Zum viel diskutierten Clubsterben in Basel meint Schäfer, dass es in der Schweiz viele Vorschriften und Gesetze gäbe, die eine Entwicklung der Clubkultur behindern und vergleicht mit ausländischen Städten. «Auf einem Markt in Lissabon beispielsweise werden die Sicherheits- oder Umweltvorschriften nicht immer eingehalten. Kommt man zurück in die Schweiz, schärmt man vom chaotischen Charme des Marktes. Hier in der Schweiz verunmöglichen wir Vieles mit Vorschriften und Standards»

Wichtig sei auch, dass in der Stadt nicht nur Räume für Zwischennutzungen geschaffen werden, sondern vor allem auch für Dauernutzungen. «Man darf sich nicht versteifen auf Zwischennutzungen. Es braucht auch permanente Lösungen.»

(Regionaljournal Basel, 17.30 Uhr)