Der Vogel Gryff zieht Kleinbasel in seinen Bann

Die Schildhalter der drei Kleinbasler Ehrengesellschaften - Vogel Gryff, Leu und Wild Maa - ziehen mit ihren jahrhundertealten Tänzen viel Volk an.

Der Vogel Gryff auf der Mittleren Brücke in Basel

Bildlegende: «Vogel Gryff», «Wild Maa» und «Leu» zogen durch die Strassen und Gassen. Juri Weiss

Bei winterlicher Kälte, aber sonnigem Himmel begann am Samstag der Kleinbasler Festtag mit der Talfahrt des Wild Maa. Dieser fuhr am Vormittag auf einem Floss von oberhalb der Stadt den Rhein hinunter und landete vor 11 Uhr unterhalb der Mittleren Brücke beim Kleinen Klingental. Dort begrüssten ihn die zwei andern Wappentiere und viele Schaulustige.

Auf seiner Fahrt flussabwärts hatte der Wild Maa auf dem Floss zu Trommelwirbeln und begleitet von Böllerschüssen getanzt, wobei er, wie es der Brauch verlangt, dem linksufrigen Grossbasel stets den Rücken zukehrte. Erster Publikumshöhepunkt war danach zur Mittagszeit der traditionellen Formen folgende Tanz aller drei Ehrenzeichen auf der für den Verkehr gesperrten Mittleren Brücke. Vogel Gryff, Wild Maa und Leu sind die Ehrenzeichen der «Drei E.», der Kleinbasler Ehrengesellschaften zum Greifen, zur Hären und zum Rebhaus.

Jörg Schild als Ehrengast

Über 30 Auftritte vor Meistern und Vorgesetzten der «Drei E.» standen danach auf dem Programm des bis tief in die Nacht dauernden Festtags. Dazu gehört auch der Auftritt am «Gryffe-Mähli» im Kongresszentrum der Messe Basel, wo die 450 Gesellschaftsbrüder und ihre Gäste während eines mehrstündigen Festakts jeweils unter sich sind. Die Gästeliste wird stets bis vor Beginn des Anlasses unter dem Deckel gehalten. Dieses Jahr wurden etwa Jörg Schild, Präsident von Swiss Olympic und früherer Basler Regierungsrat, der Schweizer UNO-Botschafter Paul Seger, Novartis-Schweiz-Chef Pascal Brenneisen oder Paralympics-Medaillengewinner Tobias Fankhauser eingeladen.

Die «Drei E.» sind im Mittelalter aus zunftähnlichen Zusammenschlüssen der Kleinbasler Bürger hervorgegangen. Sie nahmen in der «minderen Stadt», wie der rechtsufrige Teil Basels auch genannt wurde, öffentliche Aufgaben wahr, waren aber nicht nach Berufen organisiert. Der Brauch des «Vogel Gryff» entwickelte sich aus den jährlichen Waffeninspektionen früherer Zeiten.