«Die Transparenzanforderungen gehen gegen Null»

Es ist ein Megadeal: Für knapp 44 Milliarden Franken möchte das Staatsunternehmen ChemChina den Basler Agrochemiekonzern Syngenta kaufen. China-Kenner Joachim Rudolf sagt, dass damit die Transparenz von Syngenta über ihre Geschäfte stark abnehmen wird.

Die Internetseite von ChemChina

Bildlegende: In China handeln Firmen wie die ChemChina weniger transparent - das könnte Auswirkungen haben. Keystone

Wird der Deal vollzogen, gehört Syngenta der staatlichen Firma ChemChina. Das werde Auswirkungen auf die Kommunikation von Syngenta haben, sagt China-Kenner Joachim Rudolf: «Die Transparenzanforderungen gehen gegen Null. Wahrscheinlich wird bis zu einem gewissen Grad weiter kommuniziert - dem Standort zuliebe.» Als Staatsfirma sei man sich bei ChemChina aber nicht gewohnt, sich kritischen Fragen von Aktionären zu stellen, so wie das im Westen üblich sei.

Dem Versprechen, dass ChemChina Syngenta nicht umstrukturieren wolle und dass es zu keinen grossen Entlassungen komme, schenkt Rudolf aber Vertrauen. «Ich denke, diese Absichten sind ehrlich gemeint.» Die Erfahrung zeige, dass chinesische Unternehmen, die in Europa auf Einkaufstour gingen, die neuen Firmen nicht restrukturieren würden. Vielmehr wolle man von den westlichen Firmen profitieren, sagt Rudolf. Das sei auch bei Syngenta der Fall. China möchte seine Landwirtschaft voran bringen und setze dabei auch auf das Know-how des Agrochemiekonzerns. Der China-Experte sagt aber auch, dass diese Einstellung ändern könnte, sollten Umsatz und Gewinn von Syngenta einbrechen: «Wenn man für so viel Geld einkauft, will man natürlich auch, dass diese Firma weiter rentabel ist.»

Joachim Rudolf ist Betriebswirt und Gründer des Beratungsunternehmens ChinaIntelligence mit Sitz in Zürich. Er berät Schweizer Firmen, die in China Geschäfte machen wollen.

(Regionaljournal Basel, 17:30 Uhr)

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