Ein Ballettabend der Gegensätze

Richard Wherlock ist seit 15 Jahren Direktor des Basler Balletts. So lange wie kein anderer vor ihm. Noch immer füllt er die Publikumsränge des Hauses, doch er weiss: Frische Ideen sind gefragt. Und so arbeitet er vermehrt mit externen Choreografen zusammen. Auch für das neuste Stück B/E.

«B/E» steht für die Choreografin Bouvier und den Choreografen Ekman. Das Stück der Schweizerin Joelle Bouvier ist düster. Eine junge Frau mit langer blonder Perücke und wallendem weissem Kleid steht auf der Bühne. Es ist Jeanne D'Arc. Eine kämpferische junge Frau, die eine Gruppe junger Männer in mönchsähnlichen langen Kutten anführt. In den Händen halten die Männer lange flache Holzbretter, die wie Speerspitzen in die Luft ragen.

Zunächst ist Jeanne D'Arc die stolze Kämpferin, dann aber verändert sich die Stimmung. Die Haare von Jeanne d Arc sind nun kurz und struppig. Sie wirkt kraftlos und die Männer umzingeln sie. Sie gibt auf und legt sich auf die Holzbretter, die die Männer tragen. Durch die Bewegungen der Tänzer werden die Holzbretter immer neu arrangiert, bis sie schliesslich eine Art Kreuz formen – ein Kreuz, an dem Jeanne D'Arc hängt.

Ein Tanz-Stück, das die Tanzwelt auf die Schippe nimmt

Im zweiten Teil des Abends dann das Kontrastprogramm. Das Stück von Alexander Ekman ist energiegeladen, verspielt und sehr ironisch. Die gleichen Tänzerinnen und Tänzer knien nun auf flachen Holzboxen, schauen ins Publikum und klatschen mit den flachen Händen auf das Holz und auf sich selbst. Sie verziehen das Gesicht, übertreiben die Bewegungen – Es ist, als würden die Tänzer sich selbst imitieren.

Es ist ein Ballettabend der Gegensätze. Das schwermütige Stück von Joelle Bouvier, welches davon lebt, dass durch wenige Mittel und Bewegungen starke Bilder erzeugt werden. Bilder, die aber fast schon zu überladen und pathetisch sind.
Und dann das Stück von Ekman, welches einen zum Lachen bringt und nicht nur die tänzerischen, sondern auch die schauspielerischen Qualitäten der Basler Company zeigen. Humor, das liegt Richard Wherlocks Leuten mehr als das heroische Leiden im ersten Stück.

In ihrer Unterschiedlichkeit zeigen die beiden Stücke aber vor allem die Bandbreite der Basler Company. Sie beherrscht die unterschiedlichsten Tanzsprachen und -stile. Und Richard Wherlock weiss, dass er gut damit fährt, wenn er seiner talentierten Company und seinem anspruchsvollen Publikum frische Stücke vorlegt. Stücke, die zwar nicht neu sind – beide Werke des Ballettabends «B/E» wurden bereits mehrfach in anderen Städten aufgeführt – aber die dennoch anders sind als die bewährten Wherlock-Stücke und so für genügend Abwechslung beim Basler Ballett sorgen.

(Regionaljournal Basel, 17.30 Uhr)